Zeitung Heute : Im Berg ist der Teufel Gott

Sie hauen das Erz aus der Wand ohne Schutz vor dem giftigen Staub. Die Mineros von Potosí, der legendären Stadt des Silbers in Bolivien, arbeiten in ewiger Finsternis. Ihr Licht sind der Schnaps und die Coca-Blätter

Roland Schulz

Wenn Don Geronimo Quispe nur ein Wunsch gewährt würde, vom Teufel oder von Gott, ihm ganz egal – dies wäre sein Wunsch: Sein ganzes Leben rückgängig zu machen bis zu dem Tag, da er das erste Mal in die Minen stieg.

Damals hieß er noch Llanthà Palla Quispe. Er weiß nicht mehr viel von diesem Tag, nur dass er Angst hatte, vor der Dunkelheit, vor dem Dynamit, vor dem Berg. Er war keine 20 damals, jung und unwissend. Heute ist er alt und erfahren. Alt, das bedeutet: 45 Jahre und Träger eines Ehrennamens – gebildet aus dem Titel „Don“ und einem Spitznamen. Erfahren, das bedeutet: wissend um die Erze, geübt im Umgang mit Spitzeisen und Sprengstoff, die Gefahren des Berges kennend, und vor allem bedeutet es: wissend um den eigenen Tod. „Ich weiß, dass ich bald sterben werde“, sagt Don Geronimo, und seine spröde Stimme zerbricht die Worte in der Tiefe des Bergwerks wie Reisig, seine Lunge zischt beim Sprechen.

Don Geronimo Quispe ist Bergmann im bolivianischen Potosí, der legendären Stadt des Silbers in Südamerika. Hier, fast 4100 Meter über dem Meer, arbeiten die Bergleute noch wie in alter Zeit mit ihren Händen, ohne Schutz im Staub des Steins, getrieben vom Kauen der Blätter des Coca-Strauchs und dem Wunsch, einmal nur auf eine Ader zu stoßen, die so rein und stark ist wie zu Zeiten der Spanier. Einst war Potosí das Juwel in Spaniens Kolonien, weil die Stadt ein Berg überragte, den die Einheimischen „Sumaj Orcko“ nannten, den schönen Berg, die Spanier aber „Cerro rico“, den reichen Berg, wegen seines unvergleichlichen Schatzes an Silber. Miguel de Cervantes ließ seinen Don Quijote Reichtum mit den Worten „vale un Potosí“ – soviel wert wie ein Potosí – erklären.

Auch heute noch ist Potosí die Stadt der Minen, und das Leben der „Mineros“, der Bergarbeiter, gleicht einer Mär aus vergangener Zeit: Nach Zink, Blei, Zinn und Resten an Silber schürfend, arbeiten und sterben sie in einer verwunschenen Welt, einer Welt der Rituale und Legenden, zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen Gott und Teufel. Denn die Mineros von Potosí haben zweierlei Glauben: Während sie draußen im Licht an Gott glauben, verehren sie in der Finsternis des Berges den Teufel.

Wie alle Bergmänner nennt Don Geronimo den Teufel „el Tio“, den Onkel. Wenn er in die Minen steigt, führt ihn sein erster Weg stets zum Tio, dem die Mineros an den Eingängen der Stollen Schreine gebaut haben. Kaum dass das karge Licht seiner Grubenlampe auf die mannshohe Figur des sitzenden Teufels fällt, beginnt Don Geronimo ihn zu grüßen. „Guten Morgen, Onkel“, sagt er, „wie läuft es, was macht das Erz?“ Dann folgt er dem althergebrachten Ritual und zieht seine Tüte mit Coca-Blättern hervor, klaubt die besten Blätter heraus und wirft sie dem Teufel zu Füßen. Es sind verstümmelte Füße, weil der Teufel aus Ton ist und das Klima im Berg sogar von ihm Tribut fordert. Nicht verwittert sind allein der erigierte Penis des Teufels, sein Wahrzeichen, und sein Gesicht, verziert mit zwei Augen aus Glas und zwei Hörnern. Don Geronimo bittet für diesen Tag um einen guten Ertrag und um Schutz, „maquisnicupi caseicu“, so spricht er in Quechua, der alten Sprache der Anden, „wir sind in deiner Hand“. Dann erst erlaubt er sich zu husten. Rasselnd kommt der Husten aus seiner Brust, wie eine Ankerkette, die sich löst, bis Don Geronimo den Schleim schließlich im Mund hat und ihn ausspeit. Er ist grün vom Coca und fehlfarben krank von seiner Lunge, die seit Jahren schon von der „mal de mina“ zerfressen wird, der Krankheit Staublunge. Sie ist der Grund für Don Geronimos Wunsch, sein Leben rückgängig zu machen bis zum ersten Tag im Berg. „Es gibt nur zwei Wege, die Minen endgültig zu verlassen“, sagt er. „Durch einen Unfall oder wegen der Staublunge.“ Freiwillig geht keiner, denn wer einmal Mitglied in einer der Kooperativen des „Cerro rico“ ist, bleibt es, weil es außerhalb des Berges kaum Arbeit gibt.

Im Berg ist jeder sein eigener Herr: Jedes Mitglied der Kooperativen, „socio“ genannt, verdient soviel, wie er schürft. Die Mineros verkaufen die aus dem Berg geschlagene Mischung aus Fels und Erz an die Raffinerien Potosís, die daraus die einzelnen Metalle lösen. Vom Ertrag gehen zwölf Prozent an die Kooperative, dafür bezahlt sie das Krankenhaus im Fall eines Unglücks und garantiert im Fall des Todes eine kleine Pension für die Familie – der Rest gehört dem Minero. Arbeitet er viel und hat Glück dazu, kann er mehr verdienen als ein Rechtsanwalt, dann ist der Ertrag einer Woche manchmal 1000 Bolivianos, etwa 100 Euro, wert. Hat er aber Pech, verdient er gar nichts. Dennoch wird Don Geronimo, Socio der Kooperative „Unificada“ in der Mine „Candelaria“ und Vater von sechs Kindern, die Minen nicht verlassen. Er wird weiter in den Berg steigen, wegen der Pension, die seine Familie bei seinem Tod bekommt.

Im Berg sagen sie, dass Don Geronimo in zwei Jahren sterben wird. In der Stadt sagen die Ärzte, dass er eigentlich schon tot sein müsste. 45 Jahre, das ist die Lebenserwartung eines Mineros. Don Geronimo sagt, er habe Vorkehrungen getroffen gemäß der Tradition. Er hat das Blut eines schwarzen Welpen getrunken. Der Geschmack hat ihm nicht gefallen. Er musste sich übergeben. Er hofft, dass die schützende Wirkung dennoch anhält. Ist des Teufels Entscheidung, „er hat die Macht hier“, sagt Don Geronimo und steckt sich eine Zigarette an. Sie ist für den Onkel. Don Geronimo steckt die Zigarette in des Teufels verrußten Mund und schaut genau – raucht er die Zigarette auf bis zum Stumpen, verheißt das Glück.

Die Ader, an der Don Geronimo arbeitet, liegt abseits auf Ebene zwei der Mine; dort, wo keine Hölzer mehr die Decke stützen, keine Gleise der Grubenbahn mehr laufen und die Luft erfüllt ist von dem beißenden giftigen Staub. Hier arbeitet Don Geronimo seit sieben Jahren, allein, kaum 200 Meter an Schacht hat er seitdem aus dem Berg geschlagen und gesprengt. Erst bei der Auslese des geschürften Erzes nach seiner Qualität und dem folgenden Transport zum Licht, helfen ihm seine Söhne. Santos, 21, der gerade beim Militär dient, und Gustavo, 17. Beide betraten die Minen das erste Mal im Alter von zwölf Jahren. Eigentlich ist Kinderarbeit im Berg verboten, doch da kann Don Geronimo nur grinsen: „Es gibt kein Gesetz im Berg.“ Von den rund 6000 Mineros des „Cerro rico“ sind fast 1000 Kinder und Jugendliche. Sie arbeiten ihren Vätern oder anderen alten Mineros zu, als „peones“, wie die Helfer genannt werden, denen die Erfahrung und die 200 Dollar Eintrittsgebühr fehlen, um Socio einer Kooperative zu werden.

Don Geronimo wollte nie, dass seine Söhne Mineros werden. Er wollte, dass sie zur Schule gehen. Doch dann kam sein Unfall.

Es war vor neun Jahren. Don Geronimo stieg die „Candelaria“, die Gleise im Eingangs-Stollen hinauf, alles war wie immer. Bis er aus der Dunkelheit ein fernes Grollen hörte, ein Rattern, und plötzlich Licht im Dunkel erschien, das über die Wände auf ihn zusprang wie ein Tier. Eine Lore. Drei Tonnen schwer, beladen mit Erz und zwei Mineros, die damit die Erträge aus dem Berg schaffen, das letzte Stück des Weges ist das schönste, weil die Gleise dann abschüssig nach draußen laufen und die Mineros, statt sie zu schieben, auf der Lore reiten können. Nichts hält eine solche Lore auf. Don Geronimo versuchte noch, eine breitere Stelle zu erreichen, doch der Stollen war zu eng, die Lore zu schnell. Er war noch nicht ganz an sicherer Stelle angelangt, als sie ihn traf. Seine Rippen krachten, ein Schmerz fuhr in sein Becken, und dann fühlte er nichts mehr. Don Geronimo lag fünf Monate im Krankenhaus, sein Becken war gebrochen, sein linkes Bein taub. Er hatte Glück gehabt, denn die Lore hatte ihn nicht voll getroffen.

Jedes Jahr sterben rund 15 Bergmänner nach Unfällen wie diesen, nach Tunneleinbrüchen oder fehlgeschlagenen Sprengungen. Don Geronimo hat damals, in der langen Zeit am Licht, viel gebetet, zur Heiligen Jungfrau von Candelaria, der Schutzpatronin seiner Mine. Nach sechs Monaten war er wieder in der Mine. Dort dankte er als Erstes dem Teufel für sein Glück. Das ist für ihn kein Widerspruch: Für die Mineros ist der Teufel vor allem der Herr des Untergrunds und der Tiefe, weniger der Widerpart Gottes. Don Geronimos Familie war nach dem Unfall ohne Einkommen. Die Söhne mussten in den Berg. Sie sind geblieben, bis heute.

Don Geronimo arbeitet am Blei, so sagt er das. Eigentlich ist es Bleisulfat. Ein bisschen Silber hat er auch im Stein. Es bedarf der Augen eines Mineros, es zu sehen, er vermag, im Stein zu lesen wie in einem Buch. Das ist Don Geronimo das Liebste an seiner Arbeit, das Erkennen des Erzes bei der Suche nach einer Ader: Da gibt es die giftgrünen Schaumformen, die das Kupfersulfat hinterlässt, oder die rostroten Schwämme des Eisenoxids, die wie Korallen an den Wänden sitzen, und dort hinten, Don Geronimo deutet voll Stolz auf eine glitzernde Spur am Ende des Schachts, da steckt das Blei. Im Licht der Grubenlampe sieht es im Stein aus wie ein schmaler Streif Sternenhimmel. Die winzigsten Sterne, das ist das Silber. Don Geronimos Ader. Nicht gut, aber auch nicht schlecht.

Er findet sie gerade recht. Richtig gute Adern können Ärger bringen. Eigentlichen halten sich die Männer an ihre Terrains, aber wegen einer Besonderheit des „Cerro rico“ kommt es manchmal bei wertvollen Funden zum Streit: Im Berg verlaufen alle Adern von Nord nach Süd, deshalb treiben die Mineros ihre ersten Schächte immer quer dazu, bis sie eine Ader treffen. Da der „Cerro rico“ aber durchhöhlt ist von rund 450 Jahren Bergbau und es kaum Aufzeichnungen über die Schächte der einzelnen Minen gibt, kann es passieren, dass Bergmänner aus verschiedenen Minen plötzlich die gleiche Ader ausbeuten. Dann kommt es darauf an: Ist sie gerade recht, einigen sie sich gütlich. Ist sie gut, dann kämpfen sie. „Das ist wie ein Krieg“, sagt Don Geronimo. Er weiß, wovon er spricht, denn einem dieser Kämpfe, vor über 20 Jahren, entstammt sein Spitzname „Geronimo“. Er sammelte damals das feuchte Bruchholz der Deckenstützen und zündete es an, um dem Gegner die Sicht zu nehmen. Seit diesem Tag, an dem er wie ein Indianer auf Kriegspfad um ein qualmendes Feuer sprang, nennen ihn die Mineros nach dem Häuptling der Apachen. Heute lacht Don Geronimo darüber, denn ein Feuer in der Tiefe ist schön dumm, weil man auch selbst nichts mehr sieht.

Don Geronimo beutet seine Ader per Hand aus, Schritt für Schritt, im immer gleichen Arbeitsablauf. Zuerst sucht er sich einen guten Fleck abseits der Ader und setzt sein Spitzeisen an. Luft holen, ein Schlag, Luft holen, ein Schlag. So treibt Don Geronimo das Eisen in den Stein, ruhig und bedächtig, im steten Rhythmus, über Stunden hinweg. Es ist ein wundersamer Moment. Alles liegt in Finsternis, das einzige Geräusch ein stetes Schlagen, allein die Grubenlampe Don Geronimos gibt Licht, welches das Gesicht des Mannes kantig macht und fremd. Sein schwarzes Haar ist schweißnass, auch die bronzene Haut glänzt feucht im Gesicht, in dem die Lippen vom Kauen des Coca schwarz sind und die Augen von der harten Arbeit zu kochen scheinen. Es sind diese Momente, da es in den Minen unheimlich wird. „Dann ist es eine andere Welt“, sagt Don Geronimo. Er pflegt dann mit seinen Werkzeugen zu sprechen. Mit Bruder Hammer und Bruder Spitzeisen, und wenn es gar nicht mehr geht, schreit er nach dem Teufel. „Was willst du, Alter?“, so schreit er, oder: „Bist du da, Onkelchen?“ Danach ist ihm besser.

Drei Stunden braucht Don Geronimo für ein Loch im Fels. Dann wird die Arbeit leichter, dann hilft das Dynamit. Don Geronimo bricht eine Stange entzwei, stößt sie mit dem Spitzeisen in das Loch, die Sprengkapsel hinterher und legt Feuer an die Zündschnur. Fünf Minuten Zeit. Gebückt eilt er durch den Stollen, durch die engen Stellen rutschend, in fünf Minuten ist er vielleicht 60 Meter Stein entfernt. Die Explosion schlägt durch den Berg, ein harter Knall ist es, gefolgt von einem Grollen, das durch den Fels klingt wie der Nachhall einer Kesselpauke. Die Explosion lässt den Staub in den Gängen wie Nebel steigen. Er macht jede Arbeit unmöglich. Es ist Zeit für den „Sala verde“, den grünen Saal.

So nennen die Mineros spöttisch die Höhlen, in die sie sich zum Ausruhen zurückziehen. Ihr Boden ist bedeckt mit grünen Batzen, die aussehen wie das Gewöll eines Raubvogels. Es sind alte, zerkaute Coca-Blätter, die die Mineros hier ausspeien, um Platz für frisches Coca zu schaffen. Als Don Geronimo seinen Batzen ausgespuckt hat, geht er abseits, öffnet die Hose und uriniert sorgfältig auf seine Hände. Das ist wichtig, um die mit dem Gift des Berges behafteten Finger zu reinigen, bevor er mit ihnen neues Coca nimmt, saubereres Wasser als Urin gibt es nicht in der Tiefe. Bevor Don Geronimo seinen Mund frisch füllt, bedenkt er mit den besten Blättern wieder el Tio. „Wenn du nicht dem Onkel opferst, findest du gar nichts“, sagt Don Geronimo. Deswegen gibt er ihm auch von seinem Schnaps, wobei das ein stolzes Wort für den Alkohol ist, den die Mineros im Berg trinken. Es ist Industrie-Alkohol, Marke „Ceibo“, 96 Prozent, die Liter-Flasche kommt sechs Bolivianos. Gemischt mit Wasser oder Cola gibt er ein von den Mineros geliebtes Getränk, das sie „chancho“ nennen, Schwein. Dem Onkel gefällt starker Alkohol. „Wer reines Erz will, muss reinen Alkohol geben“, sagt Don Geronimo, während er aus seiner Flasche den Boden beträufelt.

Regeln wie diese gibt es hunderte im Berg. Die einfachen fußen alle in dem Glauben der Mineros, dass der Berg launisch ist. Deswegen gilt es zu beachten, dass niemand im Berg pfeift, das mag das Erz nicht, es verschwindet dann. Auch verbirgt es sich, wenn Menschen mit hellen Augen sich hier zeigen. Die schwierigeren Regeln vermag Don Geronimo nicht so schnell zu erklären. Er trinkt erst tiefe Züge seines Chanchos, bis die Arbeit vergessen ist und seine Kehle vom Alkohol brennt, er sich räuspert, ausspuckt, zu sprechen beginnt. „Wenn du etwas findest“, sagt er, „ist es immer vom Teufel“. Er schenke das Erz, doch dafür erwarte er, geehrt zu werden. Deswegen das Opfern, deswegen auch töten die Mineros jeden Juni Lamas vor den Schächten, um mit ihrem Blut dem Teufel die Lust auf das Blut der Mineros zu nehmen. Don Geronimos Erklärungen haben eine halbe Flasche gedauert, für den Rest will er zum Schrein des Tios. Er steigt schwankend zu ihm hoch zur Ebene null. „Rauchst du, Onkelchen?“, brüllt er den Teufel an. Don Geronimo tätschelt das Gesicht des Teufels, „ay, tito“, ruft er ihm zu, ach Onkelchen. Er ist seltsam jetzt, und seltsam sind die Geschichten, die er erzählt – wie die von Alberto Alave, dessen Name Don Geronimo ausspricht wie einen Fluch.

Alave ist der König des Berges. Er hat erreicht, wovon alle Mineros träumen – er und sein Bruder fanden eine Silberader, stark und rein, Anfang der 90er-Jahre. Seitdem fahren sie einen Ferrari und besitzen einen Palast. „Manche Mineros“, sagt Don Geronimo, „treffen den Teufel in der Tiefe“. In den wundersamen Momenten, da sie allein im Dunkeln arbeiten über Stunden, bis es zum Weinen finster und einsam ist. Dann, so gehen die Legenden, hätten sie die Wahl, denn der Teufel böte immer ein großes Glück an, zum Preis eines Paktes. Don Geronimo ist überzeugt, dass Alberto Alave einen Pakt geschlossen hat. Wie sonst hätte er Silber solcher Reinheit finden sollen?

Die Mineros erzählen sich, Alave habe dem Teufel Föten geopfert, das sei sein Part des Paktes gewesen. Don Geronimo ist betrunken jetzt. Es gibt keinen Minero, der Alberto Alave nicht beneidet. Keinen außer Don Geronimo. Er ist zu alt dafür, er kennt den Teufel. „Er ist listig“, sagt er, schwenkt seine Flasche zum Schrein. Er glaubt, dass Silber, durch einen Pakt gefunden, niemals vorhalte, „das ist wie das Wasser, es rinnt durch deine Hände“. Deshalb traut Don Geronimo nur den Funden, die der Teufel von selbst gibt. Er hat einmal Glück gehabt, 1997, eine Ader von Blei und Silber, 600 Dollar wert. Er hat davon ein Grundstück gekauft und ein Haus gebaut. Das Geld hat noch für ein paar Wertgegenstände gereicht, ein Fahrrad, einen Fernseher.

Wieder gießt er dem Onkel Chancho vor die Füße, den letzten Rest, wieder steckt er dem Onkel eine Zigarette an, doch trifft er kaum den Mund des Teufels, die Trunkenheit wälzt sich in seinem Kopf, und Don Geronimo schreit sie voll Wut heraus, bis endlich die Zigarette im Teufel steckt, „Scheiße“, schreit er, „Onkelchen, was ist los, trinke ich nicht mit dir? Gib mir Kraft! Noch bin ich nicht tot!“

Es dauert eine Ewigkeit oder vielleicht auch nur einen Augenblick, bis er wieder spricht, leise diesmal, wie verschüttet klingt seine Stimme, aber die Worte sind klar. „Auch ich“, sagt Don Geronimo, „habe den Teufel getroffen“. Aber er habe den Pakt abgelehnt. Er hat nur um einen Wunsch gebeten. Den Wunsch, sein Leben rückgängig zu machen. Da hat er nur gelacht, der Teufel.

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