Zeitung Heute : Im Brotkasten-Format

Vor 20 Jahren kam der C-64 von Commodore auf den Markt

Heiko Stolzke[dpa]

Klobige Tasten im so genannten „Brotkasten“ – vor 20 Jahren eroberte der Kleincomputer Commodore 64 die deutschen Haushalte. Der „VW-Käfer des Computerzeitalters“ kam im Herbst 1982 auf den Markt und erlebte nur ein Jahr später seinen Durchbruch. Schon 1986 waren eine Million Exemplare allein in Deutschland verkauft – weltweit ging das Gerät mehr als 17 Millionen Mal über den Ladentisch. Rund 1000 DM kostete der Commodore-Computer 1983 – ohne Zusatzgeräte wie Datasette oder Monitor.

„Das 64er ist nicht tot – es gibt zahlreiche Sammler und Fanclubs“, beschreibt Stephan Slabihoud vom „8Bit-Museum“ die Traditionspflege. Der Computerspezialist aus Bottrop hat selbst rund 500 historische Rechner gesammelt und pflegt Kontakte zu Kollegen in ganz Europa. „Der Commodore 64 war in Deutschland sehr populär, in Großbritannien oder Frankreich waren dagegen Computer wie Sinclair oder Oric und Thomson weit verbreitet“, erklärt Slabihoud.

„Freaks haben beispielsweise einen Internet-Browser für den Commodore 64 programmiert“, schildert er neue Trends für den alten Computer. Außerdem existiert ein Festplattencontroller, mit dem sich eine moderne 80-Gigabyte-Platte an den IT-Dinosaurier anschließen lässt. „Darauf finden dann vermutlich alle Programme Platz, die jemals für den 64er geschrieben wurden“, sagt der Sammler.

Obwohl Deutschland einer der wichtigsten Märkte für den C64 war, bot das Gerät nicht einmal Umlaute – die Tastatur entsprach amerikanischem Standard. Auch beim Drucken war Feinarbeit erforderlich, um dem geräuschvollen Sieben-Nadel-Matrixdrucker deutsche Zeichensätze auf Endlospapier zu entlocken. Diese Schwächen verbauten dem C64 zwar einen Durchbruch im Büroeinsatz. Dafür startete er den Siegeszug durchs Kinderzimmer und brachte auch unzählige Erwachsene mit der neuen Technik in Kontakt.

Bei Spielprogrammen wie „Summer Games“ oder „Ghostbusters“ nahmen viele Bundesbürger erstmals im Leben einen Joystick in die Hand. „Heute bieten viele Websites diese Spiele zum Herunterladen an“, sagt Slabihoud, „Dieses Angebot ist aber rechtlich immer noch bedenklich, auch wenn viele der Firmen heute nicht mehr existieren.“ Kämpft die Musikindustrie heute gegen das illegale Herunterladen von Titeln aus dem Internet, so beschäftigte der kriminelle Softwaretausch vor 20 Jahren Ermittler und Computerszene. Viele Spiele wurden mit Kopierprogrammen vervielfältigt und illegal auf dem Schulhof weitergegeben.

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