Zeitung Heute : Im Garten blühen Kinder auf – und lernen viel dabei

Das richtige Werkzeug und robuste Pflanzen sorgen für Spaß und Erfolg

288305_0_ac83b45a.jpg
Blüht, wächst und gedeiht. Gärtnern macht Zeiträume erlebbar. Foto: ddp

Wenn Paare Eltern werden, steht für viele fest: Das Kind soll in einem Haus mit Garten aufwachsen. Eine gute Idee, findet Susanne Hölscher vom Mütterzentrum Dortmund: „Schon die ganz Kleinen freuen sich, wenn sie mit im Garten sind, wenn sie an Blumen schnuppern und auf der Wiese krabbeln können.“ Kinder erleben die Natur mit allen Sinnen.

Und jede Sinneswahrnehmung trainiert das Gehirn, trägt zur Synapsenbildung bei, erweitert den Horizont des Kindes. Kaum könnten die Kinder laufen, wollten sie mitgärtnern. Das sollte dann allerdings nicht mit Plastikspielzeug versucht werden, sondern mit richtigen Arbeitsgeräten, empfiehlt Sabine Metzger, Expertin für Schulgärten im Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg. Sie lässt ihre Schulkinder Bäume schneiden, mit der Säge arbeiten oder auch mal einen Baum ausgraben: „Da entwickeln die Kinder eine phänomenale Ausdauer. Sie können sich ausprobieren, Verantwortung tragen – das tut ihnen gut.“ Auch andere Werte würden den Kindern über die Gartenarbeit nähergebracht, sagt Metzger: „Sie lernen, sich darum zu kümmern, dass es ihren Pflanzen gut geht. Und sie erfahren, dass man auch ’ran muss, wenn man mal keine Lust hat.“ Außerdem erfahren sie natürlich, wo das Essen herkommt und wie Obst und Gemüse naturbelassen aussehen und schmecken. „Die Kinder sehen, wie aus einem winzig kleinen Samen, den sie selber in die Erde gesteckt haben, eine Pflanze wird. Und später dürfen sie dann in der Erde buddeln und finden Radieschen, die sie auf dem Butterbrot essen können“, beschreibt Ute Zimmer einen „Versuchsablauf“, der bei Kindergartenkindern besonders gut ankommt. Sie organisiert im Zentrum Aktiver Bürger in Nürnberg das Projekt „Gärtnern mit Kindern“. Einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter dort ist der Rentner Hermann Pelzner. Er pflanzt mit den Kindern neben Radieschen auch Salat, Kräuter und Kartoffeln an. Die gelben Knollen gehören zu seinen Favoriten, wenn es ums Gärtnern mit Kindern geht: „Sie lieben das Buddeln in der Erde. Und im Herbst, nach der Ernte, machen wir ein großes Kartoffelfest.“ Auch Beerensträucher und Obstbäume empfiehlt er für den Kinder-Garten. Im Moment sind seine Schützlinge mit der Johannisbeer-Ernte beschäftigt – und trainieren so ganz nebenbei ihre Feinmotorik. Überhaupt lernten und übten die Kinder beim Gärtnern viele elementare Techniken, berichtet Schulgarten-Expertin Metzger. Einen festen Knoten binden, mit einem scharfen Messer schneiden, ein Loch graben – viele Schulkinder machen das in ihren Gartenprojekten zum ersten Mal.

„Kinder sollten ein Beet haben, für das sie die Pflanzen selber aussuchen dürfen und das sie so gestalten können, wie sie das schön finden“, empfiehlt Hölscher, „auch wenn das für erwachsene Augen vielleicht ganz schrecklich aussieht.“ Das geht übrigens auch auf dem Balkon oder der Terrasse: Eine alte Blechwanne oder eine Holzkiste genügen. ddp

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben