Zeitung Heute : Im Glashaus

Mehr als 50 Jahre nach Kriegsende ist Berlin wieder Hauptstadt mit allem Drum und Dran. Die Vergangenheit aber wirkt weiter – sei es in einem Kinofilm über das Ende der DDR oder in den dunklen Stelen des Holocaust-Mahnmals

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6. Mai 1996

Länderfusion gescheitert

Berlin und Brandenburg werden auch in Zukunft getrennte Wege gehen. Bei der Volksabstimmung votierten die Brandenburger mit einer klaren Mehrheit (62,8 Prozent) gegen den Zusammenschluß, während es in Berlin eine deutliche Mehrheit (53,4 Prozent) dafür gab.

16. Oktober 1997

Asbestsanierung im Palast der Republik

Ein Medien-Großaufgebot beobachtet auf dem windigen, unwirtlichen, vielleicht sogar scheußlichsten Platz Berlins, wie ein Baustellenschild montiert wird. Das ist nicht irgendein Plakat, sondern ein, sagen wir mal, politisches. Denn da steht: „Asbestbeseitigung im ehemaligen Palast der Republik“.

5. August 1998

Explosion zerstört Steglitzer Wohnhaus

Nach einer Explosion, die ein viergeschossiges Wohnhaus im Berliner Bezirk Steglitz zum Einsturz brachte, war am späten Dienstag abend das Schicksal von sieben Bewohnern ungewiß. Unklar war auch, wieviele Menschen unter den Trümmern des völlig zerstörten Hauses in der Lepsiusstraße begraben waren.

12. Juli 1999

Love Parade:

Mann erstochen

Rund 1,5 Millionen Menschen haben an der diesjährigen Techno-Party teilgenommen. Erstmalig gab es dabei einen Toten. Auf den Täter, der einen 27-jährigen Oranienburger erstach, hat die Polizei bislang jedoch nur vage Hinweise.

24. August 1999

Schröder nimmt Arbeit in Berlin auf

Am Nachmittag flog Schröder nach Berlin und nahm offiziell seine Amtsgeschäfte auf. In einer kurzen Rede im Garten seines neuen Dienstsitzes, des ehemaligen DDR-Staatsratsgebäudes, sagte Schröder, dies sei „ein historischer Tag“.

3. Juni 2000

Präsident Clinton besucht Berlin

Männer mit kurz geschorenen Haaren, Spiraldrähten, die ins Ohr führen, Plastik-Kärtchen am Revers und dunklen Anzügen in der gleißenden Sonne. Besuchergruppen mit T-Shirts und Shorts, die herumgeführt werden und Baseball-Caps tragen. Überall Menschen, die Denglisch sprechen, diese Mischung aus Englisch und Deutsch, die längst zu unserem täglichen Leben gehört – Berlin, Amerika. Bill Clinton kann sich zu Hause fühlen.

17. Juni 2001

Der neue Regierende heißt Wowereit

Der SPD-Politiker Klaus Wowereit ist neuer Regierender Bürgermeister von Berlin. Der 47-Jährige erhielt am Sonnabend im Abgeordnetenhaus eine Mehrheit der Stimmen von SPD, Grünen und PDS. Er tritt die Nachfolge von Eberhard Diepgen an, der durch einen Misstrauensantrag der SPD und der Grünen abgewählt wurde – ebenso wie die vier CDU-Senatoren. Der CDU-Fraktionschef Frank Steffel sprach vom „schwärzesten Tag für Berlin“ seit dem Mauerbau 1961.

29. 8. 2001

Simon Rattle

kann kommen

Nach einem fast zweijährigen Ringen um die Nachfolge des scheidenden Philharmoniker-Chefs Claudio Abbado steht Sir Simon Rattles Amtsantritt an der Spitze des Berliner Orchesters nichts mehr im Wege. Der Berliner Senat stimmte am Dienstag dem Zehn-Jahres-Vertrag mit Rattle als neuem künstlerischen Leiter der Philharmoniker zu. Rattle tritt sein neues Amt am 1. September 2002 an, die Vertragsunterzeichnung soll am 12. September erfolgen. Kultursenatorin Adrienne Goehler sprach von einem „Dreisatzsieg“, da mit Rattles Verpflichtung die Umwandlung der Philharmonie in eine Stiftung und die finanzielle Besserstellung der Musiker einhergeht.

28. 3. 2002

Anklageerhebung

im Bankenskandal

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die Aubis-Manager Christian Neuling und Klaus-Hermann Wienhold erhoben. Den beiden Untersuchungshäftlingen mit den Gefangenennummern 912/02/5 und 914/02/4 in Moabit wird gemeinschaftlicher sowie versuchter Betrug im Zusammenhang mit dem Erwerb von Plattenbauten vorgeworfen.

21. 8. 2002

Irakische Botschaft besetzt

Die Besetzung der diplomatischen Mission des Irak in Berlin-Zehlendorf ist am Dienstagabend nach fünf Stunden von der Polizei unblutig beendet worden. Fünf Personen wurden festgenommen, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden festgehaltenen Botschaftsangehörigen, darunter der Geschäftsträger Shamil Mohammed, konnten unverletzt befreit werden. Die Festgenommenen bezeichneten sich als Mitglieder der Gruppe „Irakische Opposition Deutschland“. Bei ihnen wurden eine scharfe 8-Millimeter-Pistole, zwei Gaswaffen, ein Elektroschocker und ein Beil sichergestellt.

4. Oktober 2002

Brandenburger Tor endlich enthüllt

Zum krönenden Abschluss der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit bekam Berlin seine Bescherung: Pünktlich um 20.30 Uhr schwebte der Sportmode-Hersteller Willy Bogner am Helium-Ballon zum Brandenburger Tor hinauf und hangelte sich am Reißverschluss der Werbeplane abwärts. Unter dem Jubel zehntausender Zuschauer fielen die Hüllen. Das Brandenburger Tor steht wieder in voller Pracht am Pariser Platz. Zwei Jahre lang war der Sandsteinbau restauriert worden.

7. Juni 2003

Sieben Lolas für „Good Bye, Lenin!“

Der Triumph kam nicht unerwartet, aber gefeiert wurde er am Freitag abend im Tempodrom um so freudiger: Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“ ist der überragende Sieger des 53. Deutschen Filmpreises. Der Film setzte sich nicht nur in der mit 500 000 Euro dotierten Kategorie Bester Film durch, sondern holte darüber hinaus sechs weitere „Goldene Lolas“ (jeweils 10 000 Euro) für künsterische Einzelleistungen.

14. September 2004

Im Ende

der MoMA-Schlange

An den letzten Tagen der MoMA-Schau in Berlin ist guter Rat teuer. Noch hingehen, weil man sonst eine einmalige Chance verpasst, oder es lieber bleiben lassen, weil der Andrang zum Schluss noch gewaltiger, die Schlange noch länger ist als bisher? Bis Sonntag ist die Ausstellung mit Werken aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) noch in Berlin zu sehen. Zum Finale ist die Neue Nationalgalerie dreieinhalb Tage lang durchgehend geöffnet.

11. Mai 2005

Holocaust-Mahnmal eingeweiht

Mit einer feierlichen, von vielen Emotionen getragenen Zeremonie ist gestern in Berlins Mitte das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ eingeweiht worden. Die Feier fand in einem Festzelt auf dem 19000 Quadratmeter großen Mahnmalsgelände statt. „Es ist mir eine Ehre, das Denkmal dem deutschen Volk zu übergeben“, sagte der amerikanische Architekt Eisenman, der das Stelenfeld entworfen hatte, vor 1200 Gästen, unter ihnen Überlebende des Holocaust und Vertreter aus jüdischen Gemeinden Europas.

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