Zeitung Heute : Im grünen Bereich

Die SPD zieht die Grünen nicht mit ins Tief. Auch die Debatte um Schwarz-Grün hat nicht geschadet

Antje Sirleschtov

Gefreut haben sich die Grünen schon, in Hamburg und in Berlin. Nicht so übermäßig, dass es zu einem Glas Wein in der Berliner Parteizentrale gekommen wäre. Das nun auch wieder nicht. Schließlich drücken die hanseatischen GAL-PolitikerInnen unter ihrer Spitzenkandidatin Christa Goetsch noch immer die Oppositionsbank. Und in der Hauptstadt sitzt man nach wie vor mit den Wahlverlierern von der SPD in einem Boot. Aber „wir haben das beste Ergebnis bei Landtagswahlen erreicht“, sagt Grünen-Chef Reinhard Bütikofer. Und 40 Prozent mehr Stimmen in Hamburg als bei der letzten Wahl sei ein Grund zu „außerordentlicher“ Freude.

Also war es kein Fehler, so offensiv mit der schwarz-grünen Alternative zu kokettieren. Zumindest hat es nicht geschadet, wie vor zehn Jahren in Sachsen, als allein das Nachdenken darüber zu einem Erdrutsch führte. Natürlich trennen beide – Konservative und Grüne – auch heute noch in fast allen gesellschaftlichen Bereichen Gräben. Das weiß man hier wie dort nur zu genau. Nicht nur, wenn es um Integration geht, die seit Wochen zu tiefsten Auseinandersetzungen bei den Verhandlungen um ein neues Zuwanderungsrecht führt. Wie sagte unlängst ein hochrangiges Grünen-Mitglied? SchwarzGrün sei „keine Option, die es in der Realität wirklich gibt“.

Und doch hatte man diese „mögliche, aber inhaltlich schwierige“ Karte gespielt. Mit Jürgen Trittin, der ein solches Bündnis einen Tag vor der Hamburg-Wahl schlichtweg ablehnte und linke Anhänger zu beruhigen suchte. Und mit Bütikofer, der konservativeren Freunden zugleich zurief, was er nicht zwingend sagen musste: Die Zustimmung der Grünen zu einem Präsidentschaftskandidaten der Union sei nicht ausgeschlossen. Ein Ballon also, der zwar noch nicht fliegt, aber auch nicht mehr abstürzt. Nichts wirklich Brauchbares für die nächsten Wahlen in Sachsen oder Thüringen. Aber wer weiß, wozu so ein Luftgefährt gut ist, im „Gegenwind“, den Bütikofer für die Berliner Regierungskoalition auch an diesem Abend spürt.

Mit der SPD stehen jetzt den Grünen auf jeden Fall in Berlin schwere Zeiten bevor: Zuwanderung, Emissionshandel und nicht zuletzt der Export der Hanauer Plutoniumfabrik. Wie sagte die Hamburger Landeschefin der Grünen, Anja Hajduk, doch vor ein paar Tagen so spitz: „Es wäre klasse, wenn auch die SPD mal zulegen würde.“

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