Zeitung Heute : Im Interesse aller

Cordula Eubel

Kritiker wie Handwerkspräsident Philipp fordern die Regierung auf, die bereits mehr als 46000 Ein-Euro-Zusatzjobs sofort zu stoppen. Was muss passieren, damit reguläre Jobs nicht verdrängt werden?

Dieter Philipp hat eine große Sorge: Die Zusatzjobs für Langzeitarbeitslose könnten reguläre Beschäftigung in größerem Maße verdrängen, fürchtet der Handwerkspräsident. In der Tat wäre es kontraproduktiv, wenn durch die von den Arbeitsagenturen finanziell geförderten Arbeitsgelegenheiten andere Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. „Drehtüreffekt“ – so nennen das die Arbeitsmarktforscher.

Ob dieser Effekt schon eingetreten ist, lässt sich aber nur schwer sagen. Zuverlässige Daten über die so genannten Ein-Euro-Jobs liegen in der Bundesagentur für Arbeit (BA) noch nicht vor. Klar ist nur, dass Ende Oktober rund 46 000 Arbeitslosenhilfeempfänger einer solchen Tätigkeit nachgingen, nicht aber, in welchen Bereichen sie tätig sind. Bisher gab es nur für Sozialhilfeempfänger öffentliche Beschäftigung. Mit der Hartz-IV-Reform sollen auch bisherige Empfänger von Arbeitslosenhilfe, die ab 2005 das neue Arbeitslosengeld II erhalten, durch Arbeitsgelegenheiten beschäftigt werden. Die BA rechnet für das Jahr 2005 mit insgesamt 350 000 Stellen. Zu den Anbietern gehören die Wohlfahrtsverbände und die Kommunen.

Die BA empfiehlt ihren Arbeitsagenturen, vor Ort lokale Beiräte einzurichten, in denen alle Akteure auf dem Arbeitsmarkt eingebunden sind. Die sollen dafür sorgen, dass die Zusatzjobs auch tatsächlich „zusätzlich“ sind, also keine reguläre Beschäftigung verdrängen. In diesen Beiräten sollen dann auch etwa die Vertreter der Handwerkskammer vor Ort vertreten sein.

Voraussetzung ist in jedem Fall, dass ein öffentliches Interesse für die Zusatzjobs vorliegt. Die Förderung durch die Arbeitsagenturen darf nicht von Unternehmen missbraucht werden, um an möglichst günstige Arbeitskräfte zu kommen. Die BA weist darauf hin, dass für zahlreiche Arbeitslose andere Arbeitsmarktinstrumente ohnehin sinnvoller seien. „Die Zusatzjobs sind nur für eine bestimmte Klientel.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben