Zeitung Heute : Im Internet gibt es nur blöde Tipps

Barbara Bierach

Die sommerliche Urlaubsreise ist des Deutschen liebstes Kind. Der Eindruck drängt sich zumindest auf bei einem Blick ins Internet. Das quillt über vor Last-Minute-Angeboten und den dazugehörigen Blogs, in denen die entsprechenden Veranstalter die Hucke voll kriegen, wenn das Hotel für 299 Euro die Woche keinen Fünfsterne-Service bietet. Daneben gibt es Reisewetterdienste, die uns mitteilen, ob es in Timbuktu nächste Woche regnet oder ob auf dem Rupfntupfn-Kogel genug Schnee zum Sommerski ist. Diverse Anbieter wollen den Hund versorgen und die Blumen gießen, während wir unterwegs sind, und jeder dritte Apotheker mit Homepage warnt vor Sonnenbrand.

Das Einzige, was es nicht gibt, ist ein vernünftiger Ratgeber, wie man einen anspruchsvollen Job mit drei Wochen Abwesenheit verbindet. Keine Anleitung für die Büro-Organisation, keine Checkliste, an was der beschäftigte Mensch alles denken muss, bevor er verschwindet. Auch keine tiefschürfende Diskussion, ob man bei der Sekretärin (wegen der Pflicht!) die Faxnummer des Ferienhotels hinterlassen muss oder ob man (wegen der Erholung!) sogar das Handy ausgeschaltet lassen soll. Nix, gar nix. Der Urlaub ist dem Deutschen so heilig, dass schon bei der Vorbereitung das Büro unbedingt außen vor gelassen werden muss.

Nach langer Suche spuckt das weltweite Netz bloß ein paar Tipps aus, wie man dank der intelligenten Nutzung von Brückentagen aus 30 Urlaubstagen über sieben Wochen Ferien zapfen kann, ohne dass der Arbeitgeber etwas dagegen sagen kann. Schön ist auch die Liste mit Abwesenheitsnotizen, die der genervte Arbeitnehmer auf seinen Anrufbeantworter sprechen kann, bevor er sich an den Strand begibt. Die Vorschläge lauten: „Danke für die Nachricht. Sie sind Anrufer Nummer 327 und werden ungefähr in fünf Monaten zurückgerufen.“ Alternativ geht auch: „Bin gerade im Krankenhaus und lasse mein Gehirn entfernen. Danach bin ich reif für eine Managementposition!“

Geradezu verstörend wirkt dagegen die Umfrage einer elektronischen Stellenbörse zum Thema „Wie häufig denken Sie im Urlaub über einen Stellenwechsel nach?“ 50 Prozent der Leute sagen: „Täglich, nutze den Urlaub zur aktiven Suche“ – das würde ja bedeuten, dass halb Deutschland einen Job als Kellner in Rimini sucht oder dabei ist, als Zimmermädchen auf dem Kreuzfahrtschiff anzuheuern! Erleichtert stellen wir fest, dass bisher ganze vier Leute bei dieser Umfrage geantwortet haben. Der Job interessiert im Urlaub also wirklich keine Socke.

Das ist auch richtig. Wir Deutschen machen schon aus dem Advent, gedacht als Zeit der Stille, eine hektische Einkaufsorgie und aus Weihnachten, eigentlich eine fröhliche Geburtstagsparty, ein sentimentales Trauerspiel. Wenigstens Urlaub sollte Urlaub bleiben – also zum Teufel mit dem Büro!

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