Zeitung Heute : Im Internet spekulieren Fußball-Fans auf den Erfolg der Vereine

Markus Ehrenberg

Nichts verkaufen oder verlieren und trotzdem gewinnen - von diesen Börsengeschäften kann nur träumen, wer Bulls & Bears vom Hörensagen kennt. Gäbe es da nicht den virtuellen Börsenhandel, zum Beispiel Bundesligabörsen im Internet.

Der Online-Trend kommt aus der Politik. In den vergangenen Jahren haben virtuelle Börsen verstärkt an Bedeutung gewonnen. Bei politischen Wahlen werden von verschiedenen Anstaltern imaginäre Aktien der antretenden Parteien zum Handel angeboten. Die Teilnehmer dieser Börsenspiele offerieren ihre Anteile zu Preisen, die ihren Erwartungen für das Abschneiden der jeweiligen Partei entspricht. Dabei entstehen Kurse, die einen guten statistischen Überblick über die Einschätzung der Partei geben.

Das funktioniert auch mit den Fußball-Bundesliga-Teams. Es war nur eine Frage der Zeit, wann des Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung, Börsenfieber und das Internet zusammenkamen. Schon bei der Fußball-WM 1998 verblüffte Sportchef Wolf-Dieter Poschmann die Zuschauer, als das ZDF zwischen den einzelnen Partien auf den virtuellen Börsenhandel einstieg. Damals hatte Weltmeister Frankreich einen Emissionskurs von 446 - und eine Gesamtdividende von 1150. Jede Aktie des Weltmeisters brachte dem Besitzer am Ende also 1000 Zaster.

Bei der Bundesligabörse wurden in der Spielzeit 1998/1999 die Aktien der 18 Erstliga-Vereine gehandelt. Teilnehmer spekulierten auf den Erfolg der einzelnen Vereine. Der Einstieg in den Handel war kostenlos. Jeder Mitspieler startete mit einem Depot von jeweils 100 Aktien aller 18 Bundesligamannschaften. Durch Kauf unterbewerteter Aktien oder Verkauf überbewerteter Aktien konnte der Spieler den Wert seines Depots steigern - oder minimieren.

Das hört sich komplex an, wird aber anschaulicher mit dem "Börsenbericht" zum letzten Spieltag der vergangenen Saison: "Man kann risikolos das bedeutungslose Spitzenspiel zwischen Bayer Leverkusen, derzeit bei 6321 Bundesligamark (BM) und Bayern München (7539 BM) nutzen, in dem man die Aktien beider Teams gleichzeitig kauft. Zusammen werden beide Werte nur 60 BM über dem garantierten Rückzahlungswert notiert - je nach Spielausgang steigen die beiden Rückzahlungswerte zusammen um 200 oder 300 BM, und der Anleger erhält somit bis zu 240 BM Gewinn pro Aktie."

Das klingt kompliziert, hat aber Woche für Woche 25 000 Surfer zur virtuellen Bundesligabörse gelockt. Am Ende der Spielzeit kaufte die Börse alle Aktien zu einem festgelegten Preis zurück. Der Spieler mit dem höchsten Depotwert gewann einen Preis im Wert von 10 000 Mark. Wer ab Freitag mit Start der neuen Saison weiter zocken will, muss sich noch etwas gedulden. Für 1999/2000 haben Handelsblatt/Interaktiv, DSF, Sportbild und Sat 1-"ran" ein Relaunch der Bundesligabörse vorgenommen. Der Erfolg des Online-Handels soll sich auf andere Sportarten übertragen. "Wir planen mit dem neuen Jahr Börsen zu Wintersport, Tennis, Radsport un Formel 1, auch wieder mit Preisen für die besten Depots", sagt "ran"-online-Leiter Raoul Hess.Bundesligaaktien gibt es ab Mitte September, unter www.sportexchange.de . Bis dahin empfiehlt sich der Gang zum Toto-Lotto-Geschäft, der Tipp im Büro oder ein Klick auf die Homepage www.bol.de . Da bietet Bertelsmann ein Bundesliga-Tipp-Spiel an.

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