IM INTERVIEW : Tipps vom Berliner Tierschutzbeauftragten zur Haustierhaltung

Was sollte man bei der Anschaffung eines Haustieres bedenken?

Der Zeitfaktor ist bei allen Tieren das Wichtigste. Habe ich ausreichend Zeit, mich um mein Tier zu kümmern? Dann sollte man an die monatlichen Kosten und auch an die Zukunft des Tieres im Notfall denken. Denn als Halter habe ich ihm gegenüber eine Verpflichtung bis zum Ende.

Eines der beliebtesten Haustiere ist der Hund. Kann ein Tier mit so viel Bewegungsdrang in einer Großstadt artgerecht gehalten werden?

Auf jeden Fall. Aber es kommt natürlich immer darauf an, welche Bedingungen der einzelne Halter dem Tier bieten kann. Treppensteigen zum Beispiel ist für alle Hunde schlecht, weil es den Bewegungsapparat, besonders das Hüftgelenk, unnatürlich beansprucht. Die Größe einer Wohnung ist dagegen gar nicht so entscheidend, denn selbst ein großer Hund springt nicht ständig in der Wohnung herum. Enorm wichtig ist aber natürlich der Auslauf: Ein Zehntel des Tages müssen Hunde raus, also gut zwei Stunden. Das gilt selbst für vermeintliche „Schoßhündchen“.

Welche Ratschläge geben Sie Eltern, deren Kinder sich ein Haustier wünschen?

Zunächst einmal sollte in so eine Entscheidung die ganze Familie eingebunden werden, denn man kann nicht davon ausgehen, dass ein Fünf- oder Sechsjähriger sich auf Dauer völlig selbstständig um sein Haustier kümmern wird. Aber man sollte dem Kind natürlich auch klarmachen, dass es mit der Anschaffung des Tieres eine Verantwortung übernimmt, die es nicht nach Belieben abwälzen kann. Außerdem sollten sich Eltern fachkundig beraten lassen oder Bücher über Tierhaltung lesen. Die Berliner Tierärztekammer gibt zum Beispiel Broschüren mit Haltungsempfehlungen für verschiedene Haustiere heraus. Außerdem können Eltern mit ihrem Kind in einen Streichelzoo oder auf einen Kinderbauernhof gehen und einfach mal ausprobieren, wie es sich zum Beispiel anfühlt, ein Kaninchen auf dem Arm zu halten.

Eignen sich bestimmte Tiere für Kinder besser als andere?

Ja, da sollte man schon einige Dinge beachten. Der allseits beliebte Hamster zum Beispiel ist im Grunde ungeeignet, da er zum einen in Käfighaltung nicht besonders alt wird und zum anderen nachtaktiv ist. Das heißt, wenn das Kind am Tag mit dem Hamster spielen will, weckt es ihn jedes Mal auf. Meerschweinchen und Kaninchen sind im Grunde gute Kameraden für Kinder, sollten aber mindestens zu zweit gehalten werden, da sie auch in der Natur in großen Rudeln leben. Auch Vögel wie etwa Wellensittiche brauchen unbedingt die Gesellschaft eines Artgenossen. Der Mensch ist da kein Ersatz.

Immer mehr Menschen reichen Hund oder Katze nicht mehr. Stattdessen müssen Riesenschlangen, Leguane oder Giftspinnen her. Können solche Exoten in Privathaushalten überhaupt artgerecht gehalten werden?

Meiner Meinung nach nicht. Deshalb setze ich mich auch sehr für ein Verbot der privaten Wildtier- und Exotenhaltung in Berlin ein. Ich finde, es geht niemandem etwas ab, wenn er keine giftige Viper oder irgendeine exotische Spinne in seinem Wohnzimmer sitzen hat. Dass die meisten Menschen damit aber auf Dauer überfordert sind, belegen die überquellenden Tierheime. Das Berliner Tierheim muss jetzt sogar extra ein Exotenhaus bauen.

Was sollte man bedenken, wenn man sich ein Tier aus dem Tierheim holen möchte?

Abgegebene oder ausgesetzte Tiere haben eine Vorgeschichte und brauchen oft besondere Zuwendung. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Über Eigenarten klären die Tierheimmitarbeiter auf. Und dann sollte man schauen, ob man die Zeit und die Erfahrung mitbringt, um für ein solches Tier die Verantwortung zu übernehmen.

Wo bekommen Hundebesitzer, die mit ihrem Vierbeiner überfordert sind, Unterstützung?

Gerade in Berlin gibt es zahlreiche Hundetrainer und -schulen, an die man sich wenden kann und die auch sogenannte Hundeführerscheinkurse anbieten. Das halte ich generell für sinnvoll, damit Hund und Halter zusammenwachsen. Dort kann jeder Hundebesitzer lernen, seinem Tier alles beizubringen, was ein „Stadthund“ können muss. Toll ist zum Beispiel auch Agility, bei dem ein Hindernisparcours bewältigt werden muss.

Das Interview führte Silke Zorn.

Weitere Informationen:

tierschutzbeautragter@senguv.berlin.de, Telefon 9028-1264.

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