Zeitung Heute : Im Intrigantenstadl

Profit oder Qualität? Wie sich die Medienbranche verändert hat

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In der Medienbranche wurde schon immer gerne geheuert und gefeuert, das ist nicht neu. Und doch: Es scheint, als hätten sich die Dimensionen im Winter 2003 verschoben. Prominenteste Beispiele: Der Bertelsmann Herrscherin Liz Mohn wird vorgeworfen, sie intrigiere gegen Nein-Sager – Aufsichtsratschef Gerd Schulte- Hillen musste im Streit gehen. Dem ProSieben Sat1-Vorstandschef Urs Rohner wird vorgeworfen, er habe gegen den Sat-1-Chef Martin Hoffmann intrigiert, der ebenfalls gehen musste. Fest steht: Weder Schulte-Hillen noch Hoffmann sind Opfer ihrer Inkompetenz. Man fragt sich, welche Methode mehr Erfolg zur Sicherung und Mehrung von Macht verspricht: Intrige oder Kompetenz? Der Intrige bezichtigt zu werden, ist ehrenrührig. Aber wer schert sich um die Ehre, wenn es um die schiere Existenz geht?

Die Medienkonzerne leiden unter Gewinneinbußen und Geldmangel. Also wird fusioniert, veräußert und gekauft. Bei den Großen hat der Einzug der Investoren begonnen. Die wollen Geld verdienen. Da ist es manchem Eigentümer nur recht, wenn er schnell an günstige Programmware und schlichte Zeitschriftenkonzepte kommt. Massenware statt Individualität. Profitabilität statt Qualität. Wer einem nutzt, mit dem wird gekungelt, wer einem nicht mehr nutzt, der wird fallen gelassen. Deshalb hat die Intrige zurzeit Konjunktur. Dass dies langfristig dem Medienunternehmen schadet, wird in Kauf genommen. Bis dahin wird abkassiert. usi

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