Zeitung Heute : Im Kanister wachsen Tomaten Bauern in Cali bauen Gemüse in Töpfen an

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Not macht erfinderisch. Das beweisen die Bewohner des Armenviertels Las Colinas der kolumbianischen Stadt Cali. Wer hier wohnt, wurde meist vom Land in Folge des Bürgerkriegs vertrieben, Arbeit ist rar, Mangelernährung durchaus die Regel. Ein Leben ohne Perspektive, so scheint es. Aber es gibt nun eine Stadtteilinitiative, die versucht, den Menschen zu helfen, beziehungsweise ihnen Wege zu zeigen, sich selbst zu helfen. CECUCOL (Centro Cultural Comunitario Las Colinas) hilft 150 Familien, das Leben besser zu organisieren und zu gestalten. Unterstützt wird das Projekt von terre des hommes mit 11 082 Euro. Diese Summe kann viel bewirken, denn die ehemaligen Bauern haben im dichten Viertel Las Colinas das Beste aus ihrer Situation gemacht: Sie bauen wieder Gemüse an, nur dieses Mal nicht auf einem Feld, sondern in aufgeschnittenen Plastikkanistern, in Blumentöpfen oder was sich gerade eignet, dauerhaft etwas Erde aufzunehmen, um gesunde Nahrungsmittel anzubauen. Und ganz nebenbei ist das Gemüse garantiert frei von Pestiziden.

Die Familien bepflanzen ihre Dächer, bilden mit den erdgefüllten Kanisterreihen kleine Mäuerchen, die ihre Kinder davon abhalten, den Hang hinunter zu fallen. In den Gefäßen sprießen Brombeeren, Tomaten, Bohnen und Kräuter. Aus den Brombeeren brauen sie sich auch ein typisches Getränk, das ihnen besser schmeckt als Coca Cola.

Seit CECUCOL sich dieses Viertels angenommen hat, hat sich die Ernährungslage im Viertel deutlich verbessert. Und die Bauern halten zusammen. Mittlerweile tauschen sie auch Saatgut untereinander, um Mais und Bohnen auf ihren kleinen Höfen, die höchstens acht Quadratmeter Fläche haben, anzupflanzen. So kehrt die Landwirtschaft in die Hinterhöfe und auf die Dächer von Las Colinas zurück. Und die Bauern haben in der Tropenstadt Cali so etwas wie Heimatgefühl entwickelt. R.B.

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