Zeitung Heute : Im Labyrinth

Der Tagesspiegel

André Schmitz, der Chef der Berliner Senatskanzlei, freut sich. Darüber, dass Doris Zander neben ihm sitzt. An diesem Abend im Technikmuseum Berlin, wo unter dem Motto „Neue Köpfe – neue Ziele“ über die Zukunft des Medienstandortes Berlin-Brandenburg diskutiert werden soll. Zander ist Geschäftsführerin von Studio Berlin in Adlershof, und Schmitz freut sich vor allem darüber, dass Zander sich aufgeschrieben hat, welche Stellen in der Region sich so mit der Medienförderung beschäftigen.

Elf sind es insgesamt, und die Zersplitterung der Zuständigkeiten ist für die im Technikmuseum Versammelten das Hauptproblem des Medienstandorts. Schmitz formuliert das so: „Die Produzenten werden vom Filmboard zu einem Sachbearbeiter der Wirtschaftsverwaltung geschickt, und jeder spricht schlecht über den anderen.“

Über eine Bündelung der Kompetenzen wird nicht erst seit heute diskutiert. Nur genützt hat es bislang nichts. Vor allem weil die einzelnen Stellen um ihren Einfluss fürchten. Der Medienbeauftragte für Berlin und Brandenburg, Bernd Schiphorst, hatte zuletzt Ende vergangenen Jahres einen Plan vorgelegt, nach dem ein zentrales Medienboard sich um die Medienförderung kümmern sollte. Dazu sollte zunächst das Filmboard mit dem Medienbüro verschmelzen, später sollte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hinzu kommen und bis 2006 die medienpolitischen Referate der Senatsverwaltung für Wirtschaft und des Brandenburger Wirtschaftsministeriums.

Der Vorschlag stieß weder bei den Produzenten, noch bei der Politik auf Beifall. Die Produzenten sehen durch die Einbindung der MABB ihre Interessen gefährdet, da die Standortförderung nicht zu deren vordringlichen Aufgaben gehört. Die Wirtschaftsverwaltungen fürchteten durch die Zusammenlegung der medienpolitischen Referate der beiden Länder an Einfluss zu verlieren. Denn was für Berlin gut ist, ist nicht automatisch auch gut für Brandenburg und umgekehrt. Derzeit wird über eine abgespeckte Version des Schiphorst-Vorschlags beraten, nach dem immerhin noch sieben Stellen für die Medienförderung zuständig sein sollen.

Impulse verspricht man sich von der SFB-ORB–Fusion. Gabriela Bacher, Geschäftsführerin von Studio Babelsberg, wünscht sich allerdings eine wesentlich bessere Anbindung der Sender an die Film- und Fernsehstudios. Denn Konkurrenz lauert nicht weit entfernt in Prag. In den Filmstudios Barrandov wurden schon Filme wie „Amadeus“ oder „Stalingrad“ gedreht. Bacher macht insbesondere zu schaffen, dass sich auch „große deutsche Fernsehsender in Prag umschauen. Die muss man wieder einfangen“, sagte sie. Und auch Doris Zander hat so ihre Probleme mit den Sendern. Sie habe „vor Jahren aufgehört, beim SFB zu akquirieren“, weil die besten Ideen wegen des fehlenden Geldes abgelehnt worden seien.

Mit der Fusion könnte das nun etwas besser werden. Nawid Goudarzi, Produktions- und Betriebsdirektor des ORB, warnte allerdings vor überzogenen Hoffnungen. „Die neue Anstalt wird nicht den Stellenwert eines WDR erreichen“, sagte er. Der WDR verfügt über jährliche Einnahmen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. ORB und SFB zusammen kommen auf etwa 376 Millionen. Man orientiere sich daher eher am Hessischen Rundfunk und dessen Sieben-Prozent-Anteil am ARD-Programm. Heiko Dilk

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