Zeitung Heute : Im lohnenden Alter

Cordula Eubel

Bundesarbeitsminister Müntefering (SPD) will morgen sein Konzept „Initiative 50 plus“ zur Förderung älterer Arbeitnehmer vorstellen. Würde das deren Beschäftigungschancen tatsächlich verbessern?


Wenn in den nächsten 20 Jahren die Rente mit 67 eingeführt wird, muss sich in Deutschland etwas an der Beschäftigungssituation Älterer verändern. Viele Betriebe stellen keine Arbeitnehmer mehr ein, die älter als 50 sind. Von den 55-Jährigen und Älteren sind in Deutschland nur noch 42 Prozent berufstätig. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) will mit der „Initiative 50 plus“ dafür sorgen, dass auch sie wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.

Ein komplettes Konzept will Müntefering erst im Sommer vorlegen, ein erstes Positionspapier ist aber schon fertig. Denn die Rente mit 67 steht bereits an diesem Mittwoch zusammen mit dem Rentenbericht im Kabinett auf der Tagesordnung. In dem Papier verweist Müntefering vor allem auf das bestehende Förderinstrumentarium der Bundesagentur für Arbeit (BA) sowie auf bestehende Gesetze. Die sind allerdings, wie die Evaluation der Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt ergeben hat, unterschiedlich erfolgreich. Am einfachsten und damit auch wirksamsten sind Lohnkostenzuschüsse: Betriebe erhalten bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts für die Dauer von maximal drei Jahren erstattet, wenn sie einen Arbeitslosen über 50 Jahre einstellen. Laut BA gibt es derzeit mehr als 8200 Förderfälle. Deutlich weniger verbreitet sind andere Instrumente, auch weil sie komplizierter sind: So unterstützen die Agenturen rund 4000 Ältere, die einen schlechter bezahlten Job angenommen haben, indem sie ihnen die Differenz zwischen altem und neuem Lohn zahlen. Diesen Zuschuss gibt es jedoch nur dann, wenn der Arbeitslose noch Anspruch auf ein halbes Jahr Arbeitslosengeld hat, und nur bis zum Ende dieser Anspruchsdauer.

Für Arbeitgeber wenig attraktiv ist der Beitragsbonus: Ein Betrieb, der einen über 55-Jährigen einstellt, bekommt die Hälfte des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung erlassen. Bei einem Facharbeiter mit 2500 Euro brutto im Monat sind das 75 Euro Ersparnis – das steht nach Ansicht von BA-Vorstand Heinrich Alt in keinem Verhältnis zum bürokratischen Abrechnungsaufwand. Fast gar nicht nutzen kleine Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern die Möglichkeit, sich von der BA Weiterbildungskosten für ältere Beschäftigte erstatten zu lassen. Müntefering will außerdem prüfen, Kombilöhne zur Wiedereingliederung Älterer zu nutzen. Doch im Prinzip gibt es die schon: als Lohnkostenzuschüsse für Ältere.

Offensive Werbung für diese Förderinstrumente kann helfen, dass mehr Ältere mit finanzieller Unterstützung des Staates eingestellt werden. Die Hartz-Evaluation zeigt, dass viele Betriebe gar nicht wissen, dass es diese Hilfen gibt. Aber bei Personalchefs gibt es auch immer noch Vorurteile gegen ältere Mitarbeiter, so dass sie trotz Förderung lieber Jüngere einstellen. Die Bundesregierung hat außerdem noch nicht alle Anreize zur Frühverrentung beseitigt und erst kürzlich die so genannte 58er-Regelung verlängert: Danach müssen über 58-Jährige nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wenn sie sich verpflichten, die frühestmögliche abschlagsfreie Rente zu beziehen.

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