Zeitung Heute : Im Minus

Knapp 50 Milliarden Euro wird der Wiederaufbau im Irak in den nächsten Jahren kosten – eine Summe, die noch lange nicht zusammengekommen ist

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Rund 56 Milliarden Dollar (48 Milliarden Euro) müssen zusammenkommen, wenn der Wiederaufbau in Irak gelingen soll. Die Weltbank und die UN beziffern für den Zeitraum von 2004 bis 2007 die Kosten allein für die Investitionen in den 14 vordringlichsten Bereichen auf rund 36 Milliarden Dollar; der irakische Übergangsregierungsrat sieht zusätzlichen Bedarf von etwa 20 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau der Sicherheitssysteme und der Ölindustrie. Die Chancen, diese Beträge bei der Geberkonferenz am heutigen Donnerstag und Freitag in Madrid einzusammeln, stehen schlecht. Bislang hat erst ein kleiner Teil der 33 Teilnehmerländer überhaupt Hilfen in Aussicht gestellt:

USA: Washington will Irak insgesamt 20 Milliarden Dollar gewähren. Davon sollen zehn Milliarden als Hilfsgelder ausgezahlt werden, von denen „ein guter Teil“ allerdings an Wirtschaftsverträge mit USFirmen geknüpft werden soll, wie das Finanzministerium bereits einschränkte. Die anderen zehn Milliarden sollen in Form von Darlehen geleistet werden.

Japan: Der asiatische Partner der USA will allein im kommenden Jahr 1,5 Milliarden Dollar für den Irak bereitstellen. Zwischen 2005 und 2007 plant Tokio weitere fünf Milliarden ein. Ein Großteil der Gelder soll nach Regierungsangaben jedoch nur als Darlehen fließen.

Weltbank: Die Weltbank könnte dem Irak in den kommenden fünf Jahren vier Milliarden Dollar in Darlehensform gewähren.

Großbritannien: Für den Zeitraum von April diesen Jahres bis März 2006 hat London 910,6 Millionen Dollar für den Irak eingeplant. Darin eingerechnet ist schon der britische Beitrag an den EU-Geldern, der sich auf 63,6 Millionen Dollar beläuft.

Spanien: Die spanische Regierung will von 2003 bis 2007 300 Millionen Dollar zahlen. Rund die Hälfte dieses Betrages ist bereits ausgezahlt, 115 Millionen Dollar sind an Wirtschaftsverträge mit spanischen Unternehmen geknüpft.

Europäische Union: Die EU stellt bis 2004 233 Millionen Dollar (200 Millionen Euro) zur Verfügung, humanitäre Hilfe nicht eingerechnet.

Kanada: Der Nachbar der Vereinigten Staaten hat die Bereitstellung von 220 Millionen Dollar angekündigt.

Deutschland: Laut Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) wird Deutschland bilateral sowie über die EU und die Weltbank insgesamt rund 193 Millionen Euro zum Wiederaufbau Iraks beisteuern. Im Einzelnen nannte die Ministerin: 50 Millionen Euro humanitäre und Nothilfe, 23 Millionen Euro als deutscher Anteil an der humanitären Hilfe der EU, 44,6 Millionen Euro als deutscher Anteil an der EU-Zusage von 200 Millionen Euro, etwa 44 Millionen Euro als deutscher Anteil an einem von der Weltbank in Aussicht gestellten verbilligten Kredit, jeweils vier Millionen Euro für Projekte des Technischen Hilfswerks sowie für bilaterale Vorhaben der Wasserversorgung und Berufsausbildung, 15 Millionen Euro für die Ausbildung der Polizeikräfte und 8,5 Millionen Euro für sonstige Unterstützungsmaßnahmen. Tsp

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