Zeitung Heute : Im Rampenlicht

Der eine ist Hauptperson, der andere moderiert, der dritte hat Angst – eine kleine Redner-Typologie

Silke Zorn

Stehen Sie gerne im Rampenlicht, lieben es, wenn das Publikum an Ihren Lippen hängt? Oder macht es Ihnen Spaß, ein Gespräch zu moderieren, zwischen zwei Streithähnen zu vermitteln? Wer auf der großen Bühne eine perfekte Show abliefert, ist möglichweise ein miserabler Moderator – und umgekehrt. Eine kleine Typologie und Tipps für die perfekte Rede.

Sie sind die Hauptperson vor großem Publikum. „Je mehr Zuhörer man hat, desto eher wird eine Formulierung oder ein Gedankengang von irgend jemandem missverstanden“, sagt Rhetorik-Experte Tim Wagner. Deshalb gelte: Die Dinge so einfach wie möglich schildern und die Zuhörer nicht überfordern. Eine Rede von mehr als zwanzig Minuten sollte in mehrere Abschnitte untergliedert werden, die man am besten gleich zu Beginn ankündigt: „Zunächst werde ich Ihnen etwas über meine Person erzählen, dann mein Projekt vorstellen und zum Schluss darauf eingehen, welchen Beitrag Sie leisten können.“ Ein origineller Einstieg in eine Rede ist zwar viel wert. „Einprägsamer ist aber ein guter Schluss“, findet Wagner. Selbstbewusste Menschen, die keine Angst vor ungeteilter Aufmerksamkeit haben, sind bei einer Rede vor großem Publikum ohne Frage im Vorteil. Schüchterne Zeitgenossen sollten sich mit dem Gedanken Mut machen, dass im Publikum keine Feinde sitzen, sondern Menschen, die Interesse an dem haben, was man zu sagen hat, meint Ratgeber-Autor Peter Ebeling.

Sie setzen den Rahmen für eine Veranstaltung . Wer für Begrüßung, Moderation und Verabschiedung zuständig ist, kann sich zunächst einmal etwas entspannen: Er ist nicht die Hauptperson. Im Rampenlicht stehen andere. Dennoch hat es ein guter Moderator nicht leicht. Er muss die Referenten und ihre Standpunkte genau kennen, muss der Diskussion besser folgen als alle anderen, um an den richtigen Stellen die richtigen Fragen aufwerfen zu können. „Die erste Frage sollte dabei immer an den Referenten gehen, der die Zuhörer am schnellsten in das behandelte Thema hineinzieht“, sagt Annette Weber-Diehl, Rhetorik-Trainerin, Sprecherin und Moderatorin. „Der Moderator muss der Veranstaltung Struktur geben, das Publikum mit den Rednern in Kontakt bringen.“ Ein guter Moderator zeichnet sich außerdem durch diplomatisches Geschick aus. „Er muss zwischen verschiedenen Positionen vermitteln können, muss mit allen Diskussionsteilnehmern höflich und wohlwollend umgehen“, sagt Tim Wagner.

Sie müssen sich ungefragt zu Wort melden. Man sitzt im Meeting, in der Konferenz, in der Elternversammlung, möchte sich eigentlich zu Wort melden, allein der Mut fehlt. Annette Weber-Diehl rät: „Überwinden Sie sich möglichst schnell, wenigstens ein paar Worte zu sagen, damit sich Ihre Redeangst nicht anstaut.“ Das könne ein ganz banales „Darf ich Ihnen den Apfelsaft geben?“ sein. Hauptsache, man kommt ins Gespräch. Männern fällt es in solchen Runden oft leichter, das Wort zu ergreifen. Das liegt laut Weber-Diehl aber nicht daran, dass diese sich weniger Sorgen darüber machen, wie sie auf andere wirken. „Männer haben einfach mehr Übung darin, sich zu exponieren“, sagt die Rede-Expertin. „Jungen werden sehr viel eher dazu gezwungen, Stellung zu beziehen. Sie haben gelernt, dass man sie mit bloßem Schweigen nicht davonkommen lässt.“ Ein mutiger Beitrag in allen Ehren, Tim Wagner rät aber auch dazu, die hierarchischen Strukturen innerhalb einer Gruppe zu beachten. „Dem Abteilungsleiter ins Wort zu fallen, ist im Zweifel keine gute Idee.“ Besser sei es, einen günstigen Moment abzupassen, das zuvor Gesagte kurz aufzunehmen und dann die eigene Meinung zu umreißen.

Sie müssen in kleiner Runde überzeugen. Die Gehaltsverhandlung, das Bewerbungsgespräch, die jährliche Beurteilung – auch unter vier Augen oder vor kleinem Publikum kann es manchmal schwierig sein, die richtigen Worte zu finden. Ebenso wichtig ist hier aber die Körpersprache. „Gestik, Mimik und Haltung eines Gesprächspartners haben in kleiner Runde unmittelbare Auswirkungen auf die körperliche Verfassung der anderen“, sagt Annette Weber-Diehl. Vor einem Gespräch sollte man sich außerdem in die Rolle der anderen Teilnehmer versetzen. Was überzeugt mich an Frau Müllers neuem Konzept? Warum sollte ich Herrn Meyer befördern? Schon im Vorfeld muss klar sein, wie man sich und die eigenen Ideen richtig in Szene setzt. Für Gespräche mit Vorgesetzen rät Tim Wagner: „Sie sollten zwar respektvoll, aber nicht als Bittsteller auftreten. Denken Sie daran: Sie haben etwas zu bieten.“

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