Zeitung Heute : Im Sommer an die Uni

Die Hochschulen stellen sich auf das lebenslange Lernen ein und öffnen sich auch Nichtakademikern

Amory Burchard

Es muss nicht immer eine Bildungsreise sein. Wer im Sommer noch mehr für die Bildung tun will, als eine fachkundig geführte Exkursionen in alte Kulturlandschaften zu machen, kann auch für ein paar Tage oder Wochen an die Uni gehen. Während der Semesterferien zum kompakten Weiterbildungsstudium auf den Campus: In den USA, Großbritannien und Skandinavien sind Summer Schools für Berufstätige schon lange etabliert. Deutschlands Unis holen jetzt auf.

Die Hochschulen stellen sich mehr und mehr auf das „lebenslange Lernen“ ein – da liegen Sommeruniversitäten im Trend. Die Angebote sind vielfältig: Ein Crashkurs in Business English an der Uni Düsseldorf? Ein Schnupperstudium à la Francaise an der Universität Leipzig? Oder lieber der „Tübinger Sommer“ mit anschaulichen Vorlesungen zu den großen Fragen der Menschheit?

„Wir wollen nicht im eigenen akademischen Saft schmoren“, sagt Matthias Jung, Projektleiter der Düsseldorfer Sommeruniversität (DSU). Von Juli bis September bietet die DSU ein breites und fächerübergreifendes Programm an, das deutsche und ausländische Studierende, Uniabsolventen, junge Berufstätige und Manager anspricht. Abitur oder ein Hochschulabschluss sind wie bei den meisten Sommer-Unis zwar nicht formale Voraussetzung, aber das Niveau der Kurse sei schon akademisch anspruchsvoll – wenn auch immer praxisorientiert, sagt Jung. An der beruflichen Praxis orientiert sind Kurse wie das fünftägige Training „Interkulturelle Kommunikation für den Beruf“ oder der zweitägige Workshop „Verständigung im Gespräch“ – von Small Talk bis Arbeitsalltag und Konfliktlösung.

Daneben gibt es an der Heinrich-Heine-Universität auch geisteswissenschaftliche Seminare wie den Kant-Workshop oder das Programm „Jugend im Dritten Reich“. Das alles klingt nach harter, ernster Arbeit, aber wie alle Sommerunis bieten die Düsseldorfer nach den Workshops ein in den Seminarkosten enthaltenes Begleitprogramm mit Exkursionen und kulturellen Veranstaltungen an – und ein lebendiges Campusleben. Die meisten Angebote sind in den Seminarkosten – 200 bis 900 Euro – enthalten; dazu kommen Übernachtungskosten (siehe Kasten).

Bei der Französischen Sommeruniversität, die das Frankreich-Zentrum der Universität Leipzig im zwölften Jahr anbietet, tauchen die Teilnehmer für knappe zwei Wochen in eine eigene Sprach- und Kulturwelt ab. In einer Stadtvilla treffen sich im September Frankreich-Fans im Alter von 18 bis 80 Jahre. Voraussetzung für die Teilnahme sind gute bis sehr gute Französischkenntnisse. Diese können die Teilnehmer in Sprachkursen – nach der Methode der „Simulation“ – vertiefen: Private und berufliche Situationen werden von den Sommer-Studenten spielerisch erprobt, unter der Ägide muttersprachlicher, teilweise von der Pariser Partneruni stammender Dozenten. Das diesjährige Rahmenthema ist die olympische Idee. Nachmittags gibt es „Ateliers“ zu Themen wie Presse, Literatur oder „Leipzig, espace urbain en mutation“.

Die sommerlich-leichteste Art, einen Bildungsurlaub in einer alten Universitätsstadt zu verbringen, ist der „Tübinger Sommer“. Zum ersten Mal kombiniert die württembergische Stadt ihren Theatersommer – ein Open Air Theaterfestival unter der Intendanz der Peymann-Dramaturgin Vera Sturm – mit einer Sommer-Universität. Gespielt wird vor allem Thomas Bernhard („Die Macht der Gewohnheit“); Vorlesungen halten vom 2. bis 13. August zehn renommierte Professoren der Uni Tübingen: Was Einstein nicht sehen konnte, erklärt der Astrophysiker Hanns Ruder. Die ältesten Kunstwerke der Welt zeigt der Ur- und Frühgeschichtler Nicholas J. Conard.

Tübingen zeigt sich großzügig: Die Teilnahme an den Vorlesungen und anschließenden Exkursionen mit den Wissenschaftlern ist kostenlos. Der Verkehrsverein hat außerdem ein zweitägiges Übernachtungsangebot mit Theater, Kunsthalle, Vorlesungsverzeichnis und Altstadtführung geschnürt – ab 125 Euro. Und wer aus der Stippvisite eine richtige Bildungsreise machen will, kann selbstverständlich Zusatznächte dranhängen.

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