Zeitung Heute : Im Steigflug

Die Airline Germania setzt von ihrer Basis Berlin aus auf Expansion. Acht neue Maschinen werden dieses Jahr angeschafft

Rainer W. During
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Wir wollen die eigene Marke wieder stärker in den Vordergrund stellen“, sagt Axel Trampnau. Ende September übernimmt er die Geschäftsführung der Germania-Fluggesellschaft. Die zweite Berliner Airline neben dem großen Konkurrenten Air Berlin, die im vergangenen Jahr rund 2,3 Millionen Passagiere beförderte, hat gerade drei neue Jets beschafft und plant den Kauf von fünf weiteren Maschinen.

Die Germania war bereits 1978, damals noch unter dem Namen SAT, in Köln gegründet worden. Der 2005 verstorbene Inhaber Hinrich Bischoff entschied sich nach dem Mauerfall für die Verlegung der Flugbetriebsbasis nach Berlin. „Ich zog damals nach Ostberlin, die Umfahrung des Brandenburger Tores dauerte länger als der gesamte restliche Weg nach Tegel“, erinnert sich die heutige Germania-Geschäftsführerin Edda Gauch, die damals vor Ort die Aufbauarbeit leistete.

Nachdem sich Germania längere Zeit auf die Vermietung von Flugzeugen samt Besatzungen an andere Airlines konzentrierte, zeigt man jetzt wieder verstärkt die eigene Flagge. Im Chartergeschäft ebenso wie beim Direktverkauf von Restplätzen, betont Edda Gauch, die ihren begonnenen Ruhestand unterbrach, um das weiterhin im Familienbesitz befindliche Unternehmen auf den neuen Kurs zu bringen. Flog 2007 gerade einmal eine Maschine in den eigenen Farben, starten in diesem Sommer schon sieben Boeing-Jets der insgesamt 18 Boeings der Airline unter dem grünen Germania-Logo. Damit konnte das Passagieraufkommen in diesem Bereich verdreifacht werden.

Die Maschinen werden in der eigenen Werft in Tegel gewartet, über den Bau einer eigenen Technikhalle am künftigen Flughafen BBI in Schönefeld wird derzeit mit dem Airportbetreiber über die Rahmenbedingungen verhandelt. Im Rahmen der Flottenerneuerung werden die noch sieben älteren Boeing 737-300 durch das neuere Modell 737-700 ersetzt. Drei fabrikneue Jets – Listenstückpreis rund 64 Millionen Dollar – wurden seit Anfang 2008 in Dienst gestellt. „Wir wollen jetzt noch fünf weitere Maschinen beschaffen“, sagt Edda Gauch. Doch tun sich die Banken angesichts der Wirtschaftskrise derzeit weltweit schwer, den Airlines Flugzeugkäufe zu finanzieren. „Hier muss Frau Merkel Überzeugungarbeit leisten“, so die Geschäftsführerin. Die Belegschaft besteht stabil aus rund 630 Mitarbeitern, von denen einige Techniker bereits seit der SAT-Zeit an Bord sind. Natürliche Fluktuationen gibt es beim fliegenden Personal, gerade Flugbegleiter werden immer wieder besonders vor der jeweiligen Sommersaison gesucht.

Bei der Entwicklung des Fluggeschäftes setzt Germania auf Nischen und auf Flexibilität. So ist man seit Juli die erste Airline überhaupt, die den Flughafen der türkischen Schwarzmeer-Provinzstadt Zonguldak mit größeren Jets ansteuert. Die Flüge im Auftrag eines Reiseveranstalters – zunächst ab Düsseldorf – wurden erst in enger Konsultation mit örtlichen Behörden und Institutionen möglich, die unter anderem einen Berg in der Einflugschneise abtrugen.

„Es ist eine der Stärken von Germania, dass wir nicht von vornherein sagen, etwas funktioniert nicht“, so Axel Trampnau. Die Belegschaft zeichne aus, dass sie stets versucht, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Genau dieser Geist war es, der den ehemaligen Airbus-Manager, der zuletzt eine Führungsposition beim Regionalflieger OLT hatte, reizte, zu Germania nach Berlin zu wechseln. Zusammen mit John Kohlsaat, dem ehemaligen Deutschland-Chef des Billigfliegers Easyjet, bildet er ab Ende September das neue Führungsteam der Fluggesellschaft.

Von der Heimatbasis Berlin aus fliegt man derzeit eigene Strecken nach Prishtina sowie ins italienische Verona. Gerade im sogenannten ethnischen Verkehr für Passagiere aus bestimmten Gebieten sieht Germania eine Marktlücke und denkt daran, auch Partnerschaften in Osteuropa aufzubauen.

Nach anfänglicher Sorge hat sich die Sommersaison besser entwickelt, als man bei der Airline zunächst angenommen hatte. Deutlich bemerkbar war der Trend, dass die Bundesbürger ihren Urlaub nicht mehr lange im Voraus, sondern kurzfristig buchen. Wegen der wieder gestiegenen Nachfrage haben viele Reiseveranstalter nachträglich zusätzliche Kapazitäten bei den Airlines bestellt, auch bei Germania. So wird die Berliner Airline nach einem guten positiven Ergebnis im vergangenen Jahr auch 2009 mit einem Plus abschließen. „Wir sind einigermaßen zufrieden und guten Mutes“, sagt Geschäftsführerin Edda Gauch.

www.flygermania.de

Es ist eine der Stärken von Germania, dass wir nicht von vornherein sagen,

etwas funktioniert so nicht.“

Axel Trampnau und Edda Grauch, Germania-Geschäftsführer

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