Zeitung Heute : Im Testlauf

Praktikanten sollten auf einen Vertrag bestehen

Katja Gartz

Kaffee kochen, kopieren, Botengänge für den Chef – und das den lieben langen Tag: Dabei lernen Praktikanten nicht viel. Außerdem sollten sich nicht die Sekretärin ersetzen. Wenn ein Praktikum etwas bringen soll, gilt es einiges zu beachten. Praktikanten müssen die Möglichkeit haben, berufliche Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen zu erwerben. Das Lernen steht deshalb im Vordergrund.

Das andere Extrem ist auch nicht ideal: Der Praktikant ersetzt eine volle Stelle inklusive Überstunden, eigener Projekte und viel Verantwortung, allerdings für ein Praktikumsgehalt. Dabei sollte das Praktikum keinen regulären Arbeitsplatz ersetzen, denn ein Praktikant sollte zusätzlich im Betrieb mitlaufen.

In beiden Fällen ist das gegenüber den Praktikanten nicht gerade für. Helfen kann die sorgfältige Planung eines Praktikums von Anfang an.: Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte das Praktikum zu Ausbildungszwecken vertraglich geregelt werden.

Im Vertrag festgeschrieben werden beispielsweise Beginn und Dauer des Praktikums, Höhe der Vergütung, Urlaub, Kündigungsfristen und die Dauer der Arbeitszeit. Damit Praktikanten wirklich etwas lernen, muss ihnen ein Betreuer zur Seite gestellt werden, Recht haben sie ebenso auf einen eigenen Arbeitsplatz. „Schon im Bewerbungsgespräch sollten künftige Praktikanten nach ihren Ansprechpartnern und Einsatzorten fragen“, rät Jessica Heyser von der Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Wichtig sei, dass Praktikanten verschiedene Abteilungen durchlaufen, im Idealfall werde dafür in der Firma ein Praktikumsplan erstellt. Heyer empfiehlt Schulabgängern ein Praktikum, wenn sie sich orientieren wollen und sich noch nicht für ein Studium oder Berufsfeld entschieden haben. „Wenn es nur darum geht, Zeit zu überbrücken, dann verdienen sie bei einem Ferienjob mehr Geld“, sagt Heyer. Nach dem Leitfaden für ein „Faires Praktikum“ des DGB muss eine angemessene Aufwandsentschädigung gewährt werden, die 300 Euro pro Monat nicht unterschreiten sollte.

Bezahlte Praktika sind in der Regel qualitativ besser, weil sich Arbeitgeber ihrer Rolle bewusst sind und nicht wahllos Praktikanten einstellen. Häufig werden Praktikanten für sechs Monate gesucht, doch eine Dauer von drei Monaten reicht aus, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Ist der Praktikant länger im Unternehmen, wird er, gut eingearbeitet, schnell als billige Arbeitskraft missbraucht. Abschließend erhalten Praktikanten ein Zeugnis. Dabei ist darauf zu achten, dass die darin enthaltenen Formulierungen keine negativen Auswirkungen auf zukünftige Arbeitsverhältnisse haben. Katja Gartz

Weitere Informationen:: www.studentsatwork.org

www.recht-im-praktikum.de

www.generationpraktikum.de

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