Zeitung Heute : Im Wandel

Die Deutsche Hochschule für Filmkunst wurde 1954 gegründet. Aus ihr ging 1985 die „Konrad Wolf“ hervor – und blieb es auch

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Von Frank Noack Als Deutschland 1945 in Trümmern lag, wurde die Filmproduktion erstaunlich schnell wieder aufgenommen. Dagegen hatte die 1938 von Joseph Goebbels ins Leben gerufene Filmakademie erst einmal keinen Nachfolger gefunden, weniger aus ideologischen als aus praktischen Gründen. Es schien kein Bedarf an der Ausbildung von Filmnachwuchs zu bestehen. Möglicherweise war es die Abwanderung vieler Fachkräfte in den westlichen Teil Deutschlands, die der DDRFührung die Notwendigkeit einer entsprechenden Ausbildungsstätte verdeutlichte.

Am 14. Oktober 1954 unterzeichneten Ministerpräsident Otto Grotewohl und der Minister für Kultur Johannes R. Becher eine „Verordnung über die Bildung der Deutschen Hochschule für Filmkunst“, die am 1. November des Jahres in Kraft trat. Zum ersten Rektor wurde der Regisseur Kurt Maetzig ernannt, dessen zweiteiliges „Ernst Thälmann“-Epos gerade in den Kinos lief. Die Studiengebühr betrug im ersten Jahr 350 Mark.

Schon im zweiten Jahr bereicherte eine schauspielerische Ausbildung den Lehrplan. Angelica Domröse, die wohl populärste Absolventin in der Geschichte der Hochschule, ist zunächst als zu jung und unreif (sie war 16) durch die Aufnahmeprüfung gefallen, drehte 1959 ihren ersten Film und wurde dann angenommen. Zu ihrer Ausbildung gehörte das Einstudieren von klassischem Theaterrepertoire, das Betrachten von Filmklassikern und Reitunterricht. Jaecki Schwarz landete hier ebenso wie Jutta Hoffmann. Für die enge Verbindung zum Theater steht Winfried Glatzeder, der an der Hochschule für Filmkunst unter den Theaterregisseuren Fritz Marquardt und B.K. Tragelehn ausgebildet wurde und seine Diplomarbeit über die Gestalt des Clowns schrieb. Als ein Mangel an Filmdramaturgen bestand, wurden kurzerhand Theaterwissenschaftler aus Leipzig abkommandiert. Der berühmteste Vertreter dieses Studiengangs dürfte Ulrich Plenzdorf sein, der von 1959 bis 1963 in Babelsberg eingeschrieben war.

Trotz der beabsichtigten politischen Indoktrination war die Hochschule so etwas wie eine Insel im Arbeiter- und Bauernstaat. Man konnte verbotene Filme aus kapitalistischen Staaten sehen, und es wurden schon früh Studenten aus Algerien, Vietnam, Israel und Ghana immatrikuliert. Die rasanten Entwicklungen im Bereich des Fernsehens führten zu einer Erweiterung der Studienangebote und der Umbenennung des Hauses in „Hochschule für Film und Fernsehen“.

Die ruhmreichste Zeit in der Geschichte des Instituts wird wohl immer die so genannte Wende bleiben. 1989 ermunterte der Rektor, Lothar Bisky, seine Studenten, ohne Genehmigung von oben auf die Straße zu gehen und die dramatischen Ereignisse in Leipzig und Berlin festzuhalten.

Es ist viel darüber geklagt worden, nach der Wende seien etablierte DEFA-Regisseure unter die Räder gekommen, doch die Hochschule konnte einen Erfolg nach dem anderen verbuchen. Es bestanden gute Kontakte zu anderen Hochschulen, zur Filmindustrie und zu Fernsehsendern. Die Forderung nach mehr Wirklichkeit im Kino artete niemals in Dogmatismus aus; bereits seit 1984 wird der Animationsfilm gefördert, und es wird aktiv an der Weiterentwicklung des digitalen Films gearbeitet.

Zwei Probleme waren nach der Wende zu bewältigen. Es gab unwürdige Diskussionen um den Namen der Institution, die seit 1985 „Konrad Wolf“ hieß und diesen Namen ablegen sollte. Außerdem mussten 21 für Ausbildungszwecke genutzte Villen geräumt werden, als sich die Alteigentümer meldeten. Der Name „Konrad Wolf“ durfte bleiben, und im Sommer 2000 wurde mitten im Medienpark Babelsberg ein imposanter Neubau aus Glas fertiggestellt, mit rund um die Uhr geöffneten Produktionsräumen, die von über 500 Studenten genutzt werden.

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