Zeitung Heute : Im weltweiten Wettbewerb nach vorn

Kurt Kutzler

Mit der Alexander-von-Humboldt-Professur und fünf Millionen Euro ist kürzlich der 39-jährige TU-Absolvent Oliver Brock ausgezeichnet worden. Momentan forscht der Informatiker als führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Robotik in den USA. Den am höchsten dotierten internationalen Forschungspreis in Deutschland bekommt er für seine exzellenten Leistungen. Das Geld soll dazu beitragen, dass er nach Deutschland zurückkehrt. Wir verhandeln derzeit mit ihm und hoffen, dass er bald wieder zur TU Berlin gehören wird.

Eine andere Erfolgsgeschichte hat im September in Indien begonnen. Die Repräsentanten der führenden Technischen Universitäten in Deutschland, die „TU9“, besuchten das Indian Institute of Technology in Madras. Zum 50-jährigen Gründungsjubiläum haben wir eine Graduiertenschule für indische und deutsche Informatiker vorgeschlagen. Derzeit erarbeiten die Technischen Universitäten in Berlin, München, Darmstadt und Karlsruhe ein Konzept. Das verdeutlicht unsere Strategie, den Schwellenländern, in denen immer mehr Bildungsangebote etabliert werden, tatkräftig zu helfen.

Deutsche Hochschulen mit ihrem exzellenten Ruf im Ausland sind dafür begehrte Partner. Erst kürzlich konnte beispielsweise die TU Berlin im World-International-Ranking als zweitbeste deutsche Universität in den Ingenieur- und Technikwissenschaften reüssieren. Immer mehr Bildungsrepräsentanten aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Südamerika besuchen uns. Sie stellen Stipendien bereit und sichern sich Qualifizierungsplätze für ihren dringend benötigten Nachwuchs.

Wir sind in Deutschland gut beraten, auf diese Angebote einzugehen. Erstens benötigen wir in der Forschung eine globale Vernetzung als Antwort auf die gesellschaftlichen Herausforderungen. Zweitens profitieren auch wir von den Ideen unserer ausländischen Kollegen. Kehren sie in ihre Heimatländer zurück, so können wir – drittens – auf neue Verbindungen bauen, die manchmal ein Leben lang halten. Die Internationalisierung in der deutschen Bildung trägt damit weltweit Früchte.

Damit dies so bleibt und wir unsere Hochschulen für unsere Gesellschaft und die Studierenden von morgen weiterentwickeln können, muss das Land Berlin die Basisfinanzierung sicherstellen. Die Politiker müssen unserem Ruf nach einer angemessenen Grundausstattung folgen, da exzellente Forschung und Bildung nur auf einem gesunden Boden gedeihen. Auch hier bewahrheitet sich der Spruch von Benjamin Franklin: „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“ In Zeiten der globalen Finanzkrise sind wir immerhin eine sichere „Bank“.

Der Autor ist Präsident der TU Berlin.

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