Zeitung Heute : Im Westen so viel Neues

Ralph Schulze[Madrid]

Kurz vor dem Jahrestag des Terrors vom 11. März 2004 geht in Spanien die Angst vor neuen Attentaten um. Wäre das Land heute besser vorbereitet, wenn es wieder zu einem Anschlag käme?

„Ich will“, schwört Spaniens sozialdemokratischer Regierungschef Jose Luis Zapatero, „alle Schritte unternehmen, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholt.“ Ein Jahr nach der Bombenserie des 11. März 2004 in Madrid, die durch politische und polizeiliche Fehleinschätzungen begünstigt worden war, sieht Zapatero die erste Etappe seiner Antiterrormission erfüllt. Die Nation sei nun darauf vorbereitet, islamistische Anschläge abzuwehren. Ein strittiges Thema, das auch die am Dienstag angelaufene Antiterrorkonferenz in Madrid beschäftigt.

„Unser Land ist heute besser gerüstet“, verspricht Zapatero. Vor dem 11. März 2004 trug der konservative Ministerpräsident Jose Maria Aznar die Verantwortung, dem Zapatero vorwirft, blind gegenüber den aufziehenden Gefahren gewesen zu sein. Und das, obwohl es nach Aznars Werben für den Irakkrieg an Warnungen der Sicherheitsbehörden und auch an konkreten Drohungen des Terrornetzwerks Al Qaida nicht gemangelt hat. Zapatero sagt, dass es auch außerhalb Spaniens nun „mehr Verbündete und Zusammenarbeit“ gebe, die vor dem 11. März nicht funktionierte, als etwa Hinweise des Geheimdienstes Marokkos über den Aufenthalt aktenkundiger marokkanischer Terroristen in der spanischen Hauptstadt ignoriert wurden.

Das alles klingt beruhigend. Soll es auch. Spaniens Sicherheitsbehörden aber warnen, das Terrorrisiko bestehe weiter. Es sei nicht auszuschließen, dass einige flüchtige Terroristen des 11. März versuchen, eine spektakuläre Aktion zu starten. Und auch bei Spaniens prominentestem Terroristenjäger, dem Untersuchungsrichter Baltasar Garzon, bleiben Zweifel: Er gab vor dem parlamentarischen Terrorausschuss bedauernd zu Protokoll: Die Mittel, um den islamistischen Terror zu bekämpfen, „sind genauso knapp, wie vor dem 11. März 2004.“

Immerhin: In den Monaten vor diesem Tag gab es gerade einmal 136 Polizisten in Spanien, die sich gezielt dem Kampf gegen den islamistischen Terror widmeten. Es fehlten arabische Übersetzer, weshalb die observierenden Beamten nicht mitbekamen, welche Pläne die Extremisten in ihren konspirativen Gesprächen schmiedeten. Jetzt werden Heerscharen von Dolmetschern eingestellt. Und die Kontrolle der nationalen Sprengstoffdepots, aus denen sich die Terroristen problemlos und unter den Augen der Polizei Dynamit besorgen konnten, wurde verschärft. Immerhin.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar