Zeitung Heute : Im Wort

Anja Kühne

Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer fordert, die Rechtschreibreform wieder rückgängig zu machen. Was wäre, wenn dies tatsächlich geschähe?

Nun also auch Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer. Die Grünen-Politikerin fordert, die Rechtschreibreform zurückzunehmen. Einige Ministerpräsidenten der CDU, an ihrer Spitze Christian Wulff aus Niedersachsen, wollen das Thema sogar auf die Tagesordnung der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz im Oktober setzen – und damit die Kultusminister entmachten. Unterstützt wird die Initiative vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und Saarlands Ministerpräsident Peter Müller.

Sollten die Ministerpräsidenten die Reform tatsächlich kippen, wären davon 12,5 Millionen Schüler und 700 000 Lehrer an 46 000 deutschen Schulen betroffen. Etwa die Hälfte der Schüler hat die alten Regeln nie kennen gelernt. Schon seit sechs Jahren gilt an den Schulen das reformierte Regelwerk, vom kommenden Sommer an sollen die alten Regeln nicht nur als überholt, sondern als falsch gelten. Würde Deutschland zu den alten Regeln zurückkehren, müssten auch die anderen deutschsprachigen Länder nachziehen, andernfalls wäre die Einheitlichkeit der deutschen Sprache gefährdet.

Die Rücknahme der Reform würde die Schulbuchverlage mit Kosten von 250 Millionen Euro belasten – ungefähr so viel, wie sie in die Reform investieren mussten, sagt Andreas Baer, der Geschäftsführer des VdS Bildungsmedien e.V., des Zusammenschlusses der Schulbuchverlage. Länder und Kommunen waren schon damals nicht in der Lage, mehr Geld für Schulbücher auszugeben, im Gegenteil, die öffentlichen Ausgaben für Schulbücher sanken von 400 Millionen Euro im Jahr 1991 auf 250 Millionen Euro im Jahr 2003. „Die Politiker sollen sich lieber den wirklichen Problemen der Schule widmen“, sagt Baer.

Eva-Maria Stange, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt, die neuen Regeln seien weithin akzeptiert. Die Rücknahme der Reform würde darum zu einem Chaos führen.

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