Im BLICK : Bild der Frau

Feminismus im Film, das war lange gerade kein Massenthema. Ein paar Ausnahmen davon gibt es. „Thelma und Louise“ von Ridley Scott zum Beispiel erhielt vor 22 Jahren hymnische Kritiken. Zwei Frauen, die einen Vergewaltiger erschießen und sich am Ende, auf der Flucht vor der Polizei, lieber über eine Klippe in den Tod stürzen, als sich auf Knast für den Rest ihres Lebens einzurichten. Susan Sarandon und Geena Davis, die Louise und Thelma spielten, wurden dafür beide als beste Schauspielerinnen nominiert und mussten sich bei der Oscar-Verleihung nur knapp Jodie Foster geschlagen geben.

So gewalttätig waren sie nicht immer. Aber Frauen, die sich nichts gefallen lassen oder auch befehlen, haben Sarandon und Davis des Öfteren verkörpert. Sarandon war eine der „Hexen von Eastwick“, Davis spielte 2005 in „Commander-in- Chief“ eine US-Präsidentin. Seit ein paar Jahren engagiert Davis sich auch mit einem von ihr gegründeten Institut für das Bild von Frauen in den Medien. Und hat jetzt Großes vor: Ihr „Geena Davis Institute on Gender in Media“ (GDIGM) will weltweit untersuchen, wie Frauen im Film wegkommen. Und zwar vor allem im massentauglichen und einspielstarken Familienfilm zwischen „Jurassic Park“ und den „Vorstadtkrokodilen“.

Unterstützung bekommt sie von der Rockefeller-Stiftung und „UN Women“, der Stelle der Vereinten Nationen, die sich um Gleichstellung und Chancen für Frauen kümmert. Es gebe keinen Zweifel, schrieb deren Chefin Lakshmi Puri, als die Initiative jetzt vorgestellt wurde, „dass Geschlechterstereotypen in den Medien großen Einfluss darauf haben, wie Mädchen und Frauen gesehen werden“. Man könne nicht zulassen, dass ihre „negative Darstellung zunichte macht, was für Gleichheit und Stärkung von Frauen hart erkämpft wurde“. Das wirke sich auf Körpergefühl, Sexualität und Überzeugungen aus und könne „die Zukunft und Berufschancen von Frauen“ beschädigen.

Hinter der Kamera stimmt das sowieso nach wie vor. Eine Frau bekam erst 2010 zum ersten Mal den Regie-Oscar, Kathryn Bigelow für „The Hurt Locker“. Aber auch das, was die Kamera aufnimmt, scheint selbst in Europa und Amerika nach wie vor hinter der Realität außerhalb des Kinos herzulaufen. Nach einer Untersuchung des GDIGM sind nur ein gutes Viertel der Sprechrollen im Kino für die ganze Familie Frauenrollen und die folgten oft vorgestanzten Bildern von Weiblichkeit. Nur drei Prozent der dargestellten Chefs und knapp fünf Prozent der hohen Politiker sind im Film Politikerinnen. „Im Endeffekt bringen wir unseren Kindern bei, dass Frauen und Mädchen nicht die Hälfte des Platzes in der Welt gehört“, meint Davis.

Wie das passiert und was sich dagegen tun lässt, soll jetzt ihre Studie rausbekommen, die die UN und Davis als erste weltweite überhaupt bezeichnen. Deutschland darf gespannt sein, neben Australien, China, Frankreich, Indien, Italien, Russland, Spanien und Großbritannien geht es auch um die hiesige Filmindustrie. Eine Reihe erfolgreicher Regisseurinnen gibt es hierzulande ja inzwischen. Wie es ums Bild der Frau im Film steht, wird man, so versprechen die Macherinnen, im Herbst 2014 wissen.

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