Im BLICK : Das Geld der anderen

Als die Beatles so richtig ins Geldverdienen einstiegen, da kam dummerweise Labour an die Macht und erhöhte die Steuern. Ziemlich drastisch sogar für Millionäre, und das waren John, Paul, George und sogar Ringo ja nun. 95 Prozent Spitzensteuersatz. Da haben sie den Song „Taxman“ aufgenommen – mit der Zeile „be thankful I don’t take it all“ und einer ziemlich rotzigen Gitarre. Viele britische Rockstars sind damals zu Steuerflüchtlingen geworden. In den USA. Die Schweiz war da nicht so angesagt.

Sie ist aber bis heute beliebt bei deutschen Zahnärzten, Architekten, Künstlern, Gebrauchtwagenhändlern und Rentnerinnen (wenn die Fallbeispiele repräsentativ sind, die das Eidgenössische Finanzdepartement zur Erklärung der Folgen des Steuerabkommens mit Deutschland auf seiner Website präsentiert). Fußballspieler sind nicht genannt. Obwohl da möglicherweise einiges im Schwange ist. Denn glaubt man den Schweizer Ermittlungsbehörden, dann haben im Juli 2008 jene aktiv handelnden Steuerfahnder aus Wuppertal, die die Eidgenossen gern einsperren würden, es gezielt auch auf deutsche Kicker abgesehen. Man wollte demnach die „Eintrittsdaten der Typen der Paninibilder“ bei der Credit Suisse haben, wie es im Mailverkehr der Datenbeschaffer hieß, also wohl Kontoeröffnungsdaten von Bundesligaspielern.

So ist das. Wer im Spiel gegen das Finanzamt zu viel dribbelt, Schwalben hinlegt oder die Hand zum Ball führt, der muss mit der staatlichen Blutgrätsche rechnen. Immerhin gibt es keine 95-Prozent-Sätze bei uns. Beim deutschen Staat weiß man nämlich, dass knapp die Hälfte auch reicht – man muss halt deutlich mehr Leute mit dem höchsten Satz belasten. Der liegt (Reichensteuer ausgenommen) bei 42 Prozent und schnappt schon bei vielen Mittelverdienern zu. Früher war er noch höher. Da haben die Schweizer Banken, und die in Luxemburg, Jersey und Liechtenstein, halt ein Geschäft gesehen.

Und Staat und Banken haben ja eines gemeinsam. Sie wollen unseren Schotter. Ich liebe Cash, hat Peer Steinbrück mal gesagt. Joseph Ackermann denkt auch so. Ein Film über das parallele Leben der beiden hieße am besten „Das Geld der anderen“. Was bei den Bankern die gehebelten Anlageprodukte, das sind bei den Staatsfinanzern die Steuersparkarotten. Wer tut, was die Bürokraten gern hätten, kann mit dem Staat ganz gut ins Geschäft kommen.

Angeblich summieren sich die Steuersparmöglichkeiten auf 50 Milliarden jährlich, das ist das Fünffache dessen, was der Fiskus sich vom Steuerabkommen mit der Schweiz verspricht. Ja, es ist ganz schön was geboten an Steuersubventionen. Und wir nehmen mal ganz stark an, dass die Staatsfinanzer den gleichen souveränen Überblick haben wie die Banker in ihrem Produktedschungel. Wäre ja nicht auszudenken, wenn am Ende ein einfaches Steuersystem mit geringeren Sätzen und wenigen Ausnahmen effektiver wäre. Nein, nein, das gibt’s nicht. Dann lägen Bierdeckel-März und Flatrate-Kirchhof ja richtig. Dann könnte man ja gar keine Anreize mehr setzen. Nicht fürs Steuersparen, nicht für Zehnprozentrenditen. Da sind sich die Staatsfinanzer mit den Bankern einig. Vermutlich sogar mit denen in der Schweiz.

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