Im BLICK : Jeder Tag ein Tag

Sie wissen nicht, was Sie am 20. März 2014 tun sollen? Wir schon. Sie widmen sich dann, es ist ein Donnerstag, dem Glück. Denn der 20. März ist der Tag des Glücks. Ausgerufen freilich nicht vom Deutschen Lotto- und Toto-Block, sondern von den Vereinten Nationen. An dem Tag soll auf „die Bedeutung des Strebens nach Glück und Wohlbefinden als universelles Ziel aller Menschen aufmerksam gemacht und auf die Notwendigkeit eines neuen Wirtschaftsdenkens hingewiesen werden, das die nachhaltige Entwicklung, die Armutsbeseitigung sowie das Glück und Wohlbefinden aller Menschen und Völker in den Vordergrund stellt“. Aber tippen kann man ja trotzdem.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat gerade auf 81 Seiten zusammengetragen, was im kommenden Jahr so an Tagen auf uns zukommt. Damit die Bundestagsabgeordneten wissen, wann sie sich welcher Aktion von welcher Organisation anschließen müssen, um ihre Solidarität herumtwittern lassen zu können (sonst shitstormen die Aktivisten).

Praktisch jeder Tag im Jahr ist mittlerweile ein Aktions- oder Gedenktag. Verbände, Hilfswerke, Welt- und Regionalkirchen, Nichtregierungsorganisationen oder eben die UN wissen ja mittlerweile alle, was zum Marketing gehört. Die Endlosschleife beginnt am 1. Januar mit dem Welttag des Friedens, da steckt der Vatikan dahinter. Das ist insofern passend, als die Fülle der Aktionstage ein wenig an den alten Heiligenkalender erinnert.

Noch einige Daten? Am 11. Februar fallen der Welttag der Kranken und der Safer Internet Day zusammen. Der 30. April ist zugleich Internationaler Tag des Jazz und Internationaler Tag gegen Lärm, die Unesco und die Deutsche Gesellschaft für Akustik sollten wohl noch mal miteinander reden.

Den 15. Mai hat die Internationale der „War Resisters“ schon 1921 zum Tag der Kriegsdienstverweigerung gemacht, aber vermutlich hält sich auch 2014 wieder kein Frontschwein daran. Sehr offen für individuelle Gestaltung scheint sechs Tage später der Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung zu sein. Am 17. Juni kann man sich Gedanken machen, ob der Nationale Gedenktag an den Volksaufstand von 1953 in der DDR und der Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre irgendwie in Beziehung zu setzen sind.

Der 23. Juni ist der Tag des öffentlichen Dienstes, man muss das wohl akzeptieren, die UN wollten ihn. Den freiwilligen Abschied sollte man nicht auf den 10. September legen, das ist der Welt-Suizid-Präventionstag. Am Deutschen Lebertag (20. November) ist man angehalten, das Fläschchenköpfen sein zu lassen – er folgt direkt dem Internationalen Männertag. Am 2. Februar ist Welttag der Feuchtgebiete – und den hat sich natürlich nicht Charlotte Roche ausgedacht. Multiaktionstage gibt es auch: Der 21. März etwa ist Internationaler Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung, Equal Pay Day, Internationaler Tag des Waldes, Welttag der Hauswirtschaft, Welttag der Poesie, Welttag des Down-Syndroms.

Es gibt aber auch noch freie Termine. Am 11.11. etwa steht zumindest bei uns in Deutschland nichts Gedenkaktivistisches an. Aber wer will schon mit den Narren konkurrieren.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!