Im BLICK : Sie wollen ihr Geld zurück

Das haben sie nun von ihrem ewigen Opt-out, die Briten. Wären sie drin in Euroland, hätten sie diesen Krach ebenso elegant – feige? – vermeiden können wie wir Krauts. Seit es hierzulande Euronoten und -münzen gibt, kennt der Deutsche keine Geschlechter mehr, sondern nur noch tote Materie: auf den Münzen die Eiche und den Adler, auf den Scheinen große Architektur statt großer Männer und Frauen. Die Brits dagegen hatten sich vor ein paar Monaten mit dem Pfund etwas richtig Peinliches geleistet. Sie wollten den einzigen Frauenkopf – neben dem der Königin – aus den Portemonnaies verschwinden lassen, die Sozialreformerin Elizabeth Fry. Den Jungs von der Bank of England war’s richtig ein bisschen unangenehm, das war ihnen gar nicht aufgefallen. Im zwölfköpfigen „Court of Directors“ der Nationalbank sitzt ja auch nur eine Frau. Das ist, wie Expertinnen wissen, weit entfernt von jener kritischen Masse, die das Diskussionsklima in einem Herrenklub dreht. Doch auf der Insel, dem Land energischer Königinnen (Boudica, Victoria, Elisabeth I. und II.) und der entschlossensten Vorkämpferinnen für das Wahlrecht, brach ein Sturm los. Jetzt darf Betsy Fry bleiben. Und eine noch berühmtere Landsfrau, Jane Austen, ersetzt Charles Darwin auf dem Zehn-Pfund-Schein. Churchill, der andere Neue, bekommt den Fünfer.

Wenn unsereins von diesseits des Kanals dennoch ein bisschen meckern darf: Der „Engel der Gefängnisse“ und die Autorin von „Verstand und Gefühl“ – das ist mal wieder eine Hymne an die Sendung der Frau. Man hätte auch an Ada Lovelace erinnern können, eine sehr frühe Pionierin des Computerzeitalters. Oder an Rosland Franklin, eine Mutter der modernen Genetik. Gerade erinnerte das Google-Logo dankenswerterweise einen Tag lang an sie. Kennen Sie nicht? Kein Wunder. In die Ruhmeshalle der Wissenschaft sind nämlich James Watson und Francis Crick eingegangen. Die Herren sollen auf ihre später preisgekrönten Gedanken gekommen sein, nachdem sie mal kurz im Labor der abwesenden Miss Franklin vorbeigeschaut hatten. Guttenplag gab’s damals noch nicht, und so gelten heute die beiden Männer als Erstentdecker der Doppelhelix-Struktur der DNA.

Aber das sind Kleinigkeiten, wenn man über den Atlantik schaut. US-Bürgerinnen haben nach dem Protest der britischen Schwestern auf die heimischen Greenbacks hingewiesen. Von den Dollars blicken ausnahmslos die Herren der Schöpfung in die Warenwelt. Dabei gäbe es Frauen genug. Die Kolumnistinnen Bryce Covert und Annie-Rose Strasser haben schon einmal erste Vorschläge gemacht, darunter die erste Kongressabgeordnete überhaupt (1916) und die erste schwarze Frau im Parlament.

Aber wahrscheinlich braucht es nicht kluge Argumente, sondern die richtige Portion Wut. Auch da könnte eine berühmte Britin Vorbild sein, die zwar mit Geschlechterfragen – wissend, dass das Frauen immer schadet – wohlweislich nichts am Hut hatte, dafür aber über eine Handtasche verfügte, die sie in Fällen von Bedeutung zum Aufschlag auf europäischen Verhandlungstischen brachte. Kurzum Girls, fordert wie einst Thatcher: „I want my money back!“

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