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Die Helden heißen Lars, der Eisbär oder Laura – aus Kreuzberg kommen die Animationsfilme, mit denen Thilo Rothkirch die Welt erobert

Katrin Zeug
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Tobias Totz war seine erste Figur: ein alter Zoowärter mit Schnauzbart und Safarihut, der bis nach Afrika reist, um für seinen besten Freund, einen von der Liebe träumenden Löwen, eine Löwin zu suchen.

Seit „Tobias Totz und sein Löwe“ 1999 ins Kino kam, hat Thilo Graf Rothkirch mit der Firma Cartoon-Film so viele weitere Animationsfilme für Kinder ins Kino gebracht wie keine andere Produktionsfirma in Europa. In den Büros an der Hasenheide entstanden Filme wie „Der kleine Eisbär“ – mit 2,8 Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Animationskinderfilm – und „Lauras Stern“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis 2005.

An den Computern in Kreuzberg arbeiten 30 Angestellte und 40 freie Mitarbeiter, vernetzt mit mehr als 250 weiteren Personen, die daran beteiligt sind, Ideen in Pixel zu gießen, um Geschichten zu erzählen. In Zusammenarbeit mit Hamburg, Halle, Köln, Peking und Mumbai werden Storyboards und Charaktere entwickelt, Hintergründe gezeichnet, Details gebastelt, Mimik und Gestik animiert. 100 Computer stehen im Keller, um die dabei anfallenden Datenmassen zu verarbeiten.

Thilo Graf Rothkirch, 60, ist ein kleiner Mann, der zurückhaltend wirkt. Ins Reden kommt er vor allem, wenn es um die Helden und die Musik der Geschichten geht. Seine Kindheit verbrachte er auf einem Schloss in Ostwestfalen und zog später mit der Familie in die Nähe von Bonn. Als er nach der Schule Grafikdesign studierte, faszinierte es ihn besonders, „Bildergeschichten zu machen und diese in Bewegung zu sehen“. Er ging nach London für ein Praktikum und lernte bei Peter Sachs die Grundzüge der Animation. Dass Rothkirch seine eigene Produktionsfirma 1980 ausgerechnet in Berlin gründete, liege an einer Überschrift im Bonner Lokalblatt, sagt er. Er las dort damals, dass Berlin die Filmhauptstadt sei, und zog in die ummauerte Stadt. Wer auch immer das geschrieben hat, es hat dem Grafen nicht geschadet. 20 Jahre lang animierte seine Firma Pixelhelden wie Otto den Straßenhund oder Lisa und Paul für das Fernsehen, bis sie vor zehn Jahren begann, Kinofilme zu produzieren.

Das Rezept für den wirtschaftlichen Erfolg bestehe aus verschiedenen Komponenten, sagt Rothkirch. „Alle unsere Filme basieren auf Kinderbüchern, die bereits vom Markt angenommen wurden.“ Bevor er anfängt, die Kinohelden zu basteln und am Computer animieren zu lassen, bespricht Rothkirch das Konzept mit seinem Koproduzenten und Vertriebspartner Warner Bros. Nickt der, kann die Arbeit losgehen. Auch der Standort Berlin zählt mittlerweile zu Rothkirchs Schlüsseln des Erfolgs. „Es hat sich viel getan hier“, sagt er. Die Berlinale, das Medienbord und andere Filmförderungen sowie eine breite politische Unterstützung seiner Projekte – so etwas sei woanders schwer zu finden. 75 Prozent der Produktionskosten finanziert Rothkirch mit Fördermitteln. Das ist viel Geld. Sein bisher teuerster Film „Der kleine Eisbär 2“ hat 12 Millionen Euro gekostet.

Die Geschichten, die er in seinen Filmen erzählt, sind leise. Sie gehen um Einsamkeit und darum, diese zu überwinden. Freundschaft spielt eine wichtige Rolle und die Faszination durch das Einfache. Der Stil, der sich durch alle seine Produktionen zieht, ist schlicht und erinnert an Mangazeichnungen.

„Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian“ ist die aktuellste Produktion. Darin reist die kleine Heldin nach China und findet dort über ihren Stern eine neue Freundin. Zweieinhalb Jahre arbeiteten Cartoon-Film und seine Partner an dem Projekt – zum ersten Mal auch mit einer Firma in China. Das Ergebnis kommt am 24. September ins Kino.

www.cartoon-film.de

Schon als ich nach der Schule Grafikdesign studierte,

faszinierte es mich besonders, Bildergeschichten zu machen

und die dann in Bewegung zu sehen.“

Thilo Graf Rothkirch, Gründer von Cartoon-Film

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