Zeitung Heute : Immer mehr Jugendliche ohne Schulabschluss

Der Tagesspiegel

Immer mehr Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag hat sich das Problem während der 90er Jahre noch verschärft. Jeder neunte Jugendliche startet demnach inzwischen ohne diese wichtige Grundlage ins Berufsleben. Anfang der 90er Jahren seien dies noch acht Prozent der Absolventen gewesen.

Bei den steigenden Qualifikationsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt müssen diese Jugendlichen mit Problemen bei der Lehrstellen- und Jobsuche rechnen, wie verschiedene Untersuchungen zeigen. Da künftig als Folge der Bevölkerungsentwicklung ohnehin Jahr für Jahr weniger Jugendliche auf den Arbeitsmarkt drängen werden, ist diese „Vergeudung“ aber auch für die Gesellschaft ein Problem, wie der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm erläuterte. Für diese Jugendlichen gebe es keine einfachen Rezepte. Auch andere Industriestaaten, wie etwa Frankreich, hä tten einen vergleichbaren Anteil von Jugendlichen ohne Schulabschluss. „Diese Gruppe kann man aber offensichtlich nur durch Lernen in der Praxis erreichen.“ Immerhin nutzt ein Drittel dieser Jugendlichen nach Angaben des Bundesamtes spä ter die Chance, ihren Abschluss an der Berufsschule nachzuholen.

Programm für bessere Chancen

Die Bundesregierung hatte am Vortag ein Förderprogramm für sozial benachteiligte Jugendliche vorgestellt. Sie sollen mit dieser Unterstützung eine Berufsausbildung abschließen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) bezeichnete es bei der Präsentation als alarmierend, dass Bildungschancen in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhingen. Durch das Programm „Kompetenzen fördern - Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf“ sollten entsprechende Gegenmaßnahmen mit rund 53 Millionen Euro bis zum Jahr 2005 unterstützt werden.

Die „verhängnisvolle Kette“ von Schul- und Ausbildungsversagen zur Langzeitarbeitslosigkeit dürfe gar nicht erst entstehen, forderte Bulmahn. Bislang blieben pro Jahrgang bis zu 150 000 der 20- bis 29-Jährigen ohne Ausbildungsabschluss, das sind 12 Prozent. Bei Ausländern liege dieser Anteil der 20- bis 29- Jährigen bei 33 Prozent. Bärbel Schubert/dpa

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