Zeitung Heute : Immer schön auf dem Boden bleiben

Abfertiger GlobeGround ist größter Dienstleister auf Berlins Flughäfen – und will es auch auf dem Großflughafen werden

Rainer W. During

Nach drei Jahrzehnten hat sich für Norbert Klinghardt ein Kreis geschlossen. 1988 gehörte er als Mitarbeiter der Lufthansa zu den Vätern der Berliner Lufthansa Airport Services (BLAS). Seit gut einem Jahr ist er Geschäftsführer des heute als GlobeGround Berlin firmierenden, größten Dienstleistungsunternehmens an den Berliner Flughäfen. Rund 1800 Mitarbeiter sorgen in Schönefeld und Tegel für die reibungslose Abfertigung von Passagieren und Flugzeugen.

Von dieser Entwicklung ahnte noch niemand etwas, als der damalige Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau im noch eingemauerten West-Berlin einen genialen Coup landete. Er nutzte die Air France als trojanisches Pferd, um noch zu Zeiten der alliierten Lufthoheit in den Berlin-Flugverkehr einzusteigen. Bei der neu gegründeten Airline Euroberlin France hielt die Lufthansa „nur“ 49 Prozent, hatte aber indirekt das Sagen. Weil sich British Airways und PanAm in Tegel selbst abfertigten, musste eine eigene Bodenorganisation gegründet werden und Klinghardts Aufgabe war es damals, weltweit Führungskräfte für das neue Unternehmen zu rekrutieren.

Dann fielen Mauer und Flugbeschränkungen. Die BLAS als gemeinsames Tochterunternehmen der Berliner Flughäfen und der Lufthansa übernahm das gesamte Bodenpersonal nicht nur in Tegel, sondern auch in Schönefeld. Nach der auf die Frachtabfertigung spezialisierten, auch in Dresden, Leipzig/Halle und Münster/Osnabrück tätigen Tochter C.S.B. Cargo Service Berlin komplettierte die auf Dienstleistungen für Low-Cost-Carrier zugeschnittene Firma GSI Ground Service International die GlobeGround Berlin-Gruppe.

Im vorigen Jahr wurde diese an die Frankfurter Dienstleistungsgruppe Wisag verkauft. Damit sind Schönefeld und Tegel die ersten deutschen Airports, die Vorfeldabfertigung nicht mehr in eigener Regie anbieten. So muss der einstige Monopolist GlobeGround Berlin jetzt im freien Wettbewerb bestehen. Gegenüber dem bisher einzigen Konkurrenten in Berlin hat man dennoch einen kontinuierlichen Marktanteil zwischen 80 und 90 Prozent halten können, so Klinghardt.

Lagen Tegel und Schönefeld wegen des Touristenbooms in Berlin beim Passagierwachstum bisher deutlich über dem Bundesdurchschnitt, gibt es seit Januar auch hier rückläufige Zahlen. „Wir müssen uns auf Schwankungen einstellen“, sagt Klinghardt. Nicht nur die Billigflieger, auch die großen Netzwerk-Carrier wie die Lufthansa reagieren zunehmend kurzfristig auf sich verändernde Passagierströme, setzen kleinere Maschinen ein, reduzieren Verbindungen oder streichen sie komplett.

Nicht nur, weil es in Tegel zunehmend eng wird, ist es „höchste Zeit für einen modernen, attraktiven Flughafen“, sagt Klinghardt. Aufgrund der Privatisierung ist man dort nicht automatisch als Abfertigungsunternehmen gesetzt, sondern muss sich, wie die Konkurrenten, neu bewerben. Die bestehende Lizenz läuft 2011 aus, dem Eröffnungsjahr des Airports BBI . Dennoch hat der Geschäftsführer keinen Zweifel daran, dass das erfahrenste Unternehmen am Platz wieder den Zuschlag erhält. Verschiedene Arbeitsgruppen sind bereits dabei, in Abstimmung mit den Flughafenplanern den Umzug und die Betriebsabläufe am BBI zu planen. Viele Punkte sind noch offen. Fest steht, dass der Umzug von Tegel zum BBI in Schönefeld, der innerhalb einer Nacht erfolgen muss, eine gewaltige logistische Herausforderung darstellt.

Doch unter dem neuen Dach der Wisag will sich GlobeGround nicht auf Berlin beschränken. Künftig wird man sich bei den regelmäßigen Neuausschreibungen auch verstärkt um die Vorfeldabfertigung an anderen deutschen Flughäfen bewerben, kündigt Klinghardt an.

www.globeground-berlin.com

Nicht nur, weil es in Tegel zunehmend eng wird, ist es höchste Zeit für einen modernen, attraktiven Flughafen. Wir werden uns auch verstärkt um die Vorfeldabfertigung auf anderen deutschen Flughäfen bewerben.“

Norbert Klinghardt, Geschäftsführer GlobeGround

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