Import Shop : Der gute Ton

Geschnitzt oder geflochten –  Trommeln und Panamahüte sind die Bestseller.

Schmuck aus Mali. Afrikanische Länder sind seit 1962 gut vertreten auf der Messe unter dem Funkturm, so wie dieser Händler aus Mali im vergangenen Jahr. Foto: dpa
Schmuck aus Mali. Afrikanische Länder sind seit 1962 gut vertreten auf der Messe unter dem Funkturm, so wie dieser Händler aus...Foto: picture alliance / dpa

Dreizählig? Vierzählig? Schwungvolle Rhythmen afrikanischer Trommeln, die aus dem Ausstellungsbereich „Lebendiges Afrika“ ertönen, wecken die Neugier der Besucher. Hier, in der Halle acht, schlägt das Herz der Messe Import Shop Berlin. Hier wartet Afrika mit einer reichhaltigen Trommelkultur auf. Und wer dem Ruf der Trommeln folgt und hier landet, erliegt fast immer dem Zauber ihres Klanges. Denn seit Jahren sind Trommeln eines der beliebtesten und am meisten verkauften Produkte auf dem exotischen Weltbasar am Funkturm.

Sie können einfacher Machart sein, wie etwa eine auf Stäbe gespannte Ochsenhaut. Für gewöhnlich aber werden afrikanische Trommeln aus massiven Holzklötzen geschnitzt oder aus Holzdauben gefertigt. Um zusätzliche Klangqualitäten zu erzeugen, legen Äthiopier Samenkörner oder Perlen in den Korpus des Hohlraumes. Die in Nigeria lebenden Yoruba befestigen Glöckchen und Senegalesen Metallrasseln an den Rändern ihrer Trommeln. Doch Afrikaner entfachen mit ihren Percussioninstrumenten nicht nur ein Feuerwerk an Rhythmen, sondern lassen sie auch regelrecht sprechen. Wie die nigerianischen Kalengu oder die Dondo, mit denen die Akan in Ghana zu fast jeder erdenklichen Situation Nachrichten verbreiten. „Bei uns heißen sie talking drums“, sagt Konrad Adjasoo, der seit Anfang der 80er Jahre auf der Kunsthandwerkmesse unter dem Funkturm ausstellt. „Während wir gemeinnützige Arbeit leisten, gibt Dondo den Takt an. Sie kündigt Treffen in Dörfern an und wird bei Bestattungen gespielt“, erklärt der Ghanaer. Die „sprechenden Trommeln“ ähneln der Form einer Sanduhr und haben auf beiden Seiten elastische Lammfelle, die durch Schnüre miteinander verbunden sind. Die Trommel wird unter dem Arm gehalten und mit der Hand oder mit einem speziellen Holzschlegel gerieben. Drückt man den Arm auf die Lederschnüre, wird die Tonhöhe verändert. So kann der Spieler die afrikanischen tonalen Sprachen nachahmen, das Knurren eines Leoparden imitieren oder den Ruf des Aburukuwa-Vogels wiedergeben.

Die zurzeit wohl beliebteste Handtrommel der westlichen Welt bleibt aber die Djembe. Die tiefen Schwingungen der kelchförmigen Holztrommel, die im Gegensatz zu den grellen Slaptönen stehen, erzeugen eine ungeheure Spannung. Der Tanz der Hände, die hastig über das Trommelfell der Djembe flattern, kann leicht in einen meditativen Zustand versetzen. So beschwingt, greift man dann auch mal tiefer in die Tasche.

Wer lieber zum Strohhut greift, der kann auf dem Weg aus der Afrika-Halle gleich nebenan vorbeischauen. Dort, in der Halle neun, baut Pedro Arevanlo aus der ecuadorianischen Hauptstadt Quito jedes Jahr seinen Stand auf. Und ähnlich wie seine afrikanischen Kollegen lässt auch er Herzen höher schlagen. Panamahüte, die Arevanlo neben Pullovern aus Alpaka verkauft, geben in der Modewelt spätestens seit dem letzten Sommer den Ton an. Die luftdurchlässige Kopfbedeckung mit dem charakteristischen schwarzen Band begeistert nicht nur in puncto Optik, sondern überzeugt auch durch seine Funktionalität: Der Designerhut lässt sich knautschen, zusammenrollen und wieder in Form bringen. Das einzige, was er braucht, ist eine bestimmte Luftfeuchtigkeit, damit das Stroh elastisch bleibt und nicht bricht. Denn das eigentlich Besondere an einem Panamahut ist das Material: Toquilla, eine spezielle Palmenart, die nur in Ecuador wächst. Die Preise für Panamahüte steigen mit der Flechtzeit. Ein edler Hut kostet bis zu 1000 Euro. Gute Qualitäten sind jedoch schon für 100 Euro zu haben.

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