Zeitung Heute : Impulse für den CO2-Emissionshandel Erneut Klimaschutz-Debatte in den USA

Udo Rettberg

Der bislang vornehmlich auf Europa fokussierte CO2-Emissionshandel dürfte in den kommenden Jahren einen weltweiten Aufschwung erleben. Grund: In den USA steht die Regierung Bush nach der durch den Wirbelsturm „Katrina“ ausgelösten Katastrophe stark unter Druck. Immer mehr Kritiker fordern die Regierung in Washington auf, Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Einige Experten drängen die Regierung Bush, die unter dem Dach der Vereinten Nationen im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Klimaschutz-Vereinbarungen auch für die USA zu übernehmen, wie am Rande der 26. Derivate-Jahrestagung der Swiss Futures and Options Association (SFOA) auf dem schweizerischen Bürgenstock zu erfahren war.

Die Regierung Bush hat sich bisher jedoch geweigert, die Vereinbarung zu unterzeichnen. Sie hat vielmehr vor kurzem gemeinsam mit fünf anderen pazifischen Partnerländer einen eigenen Klimaschutzplan zur Reduzierung der von einigen Experten für Unwetterkatastrophen verantwortlich gemachten Treibhausgase vorgelegt, der jedoch keine verpflichtenden Emissionsgrenzen vorsieht. Dass jetzt jedoch neun Bundesstaaten im Nordosten der USA eine Vereinbarung zur freiwilligen zehnprozentigen Reduzierung von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 erarbeitet haben, macht sehr wohl deutlich, dass die US-Öffentlichkeit die Probleme erkannt hat und an der Zentralregierung in Washington vorbei nach eigenen Lösungen strebt.

„Je länger die USA mit ihrer Entscheidung pro Emissionshandel warten, umso größer wird in Zukunft der Anpassungsdruck für die amerikanische Wirtschaft.“, sagt Otto Steinmetz, Vorstand der Dresdner Bank, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Experten des sich mit den globalen Klimaveränderungen beschäftigenden Pew Centers in Washington schätzen, dass der US-Emissionshandel bei entsprechender Unterstützung durch die Regierung Bush recht rasch einen Marktwert von mehr als 70 Milliarden Dollar pro Jahr erreichen kann.

Während die Vorschriften des Kyoto-Protokolls für alle teilnehmenden europäischen Staaten völkerrechtlich verbindlich sind, findet der Emissionshandel in den USA bis heute lediglich auf freiwilliger Basis statt. Dieses Prinzip der Freiwilligkeit kommt entsprechend in den unterschiedlichen Preisen zum Ausdruck. Während CO2-Emissionsrechte an der Chicago Climate Exchange (CCX) – der Ökologie-Pionierbörse – zum Preis von rund zwei Dollar je Tonne gehandelt werden, stiegen sie an der CCX-Tochterbörse European Climate Exchange (ECX) in den vergangenen Wochen zeitweise bis auf 29 Dollar je Tonne. In den USA werde der Emissionshandel nur dann einen kräftigen Aufschwung nehmen, wenn er mit der notwendigen Unterstützung der Regierung in Washington rechnen könne, heißt es in einer Studie des sich mit den globalen Klimaveränderungen beschäftigenden Pew Centers. Die zuletzt auf regionaler Ebene in die Wege geleiteten freiwilligen Programme in den USA dürften die Regierung in Washington an den Verhandlungstisch bringen, sagt Andy Ertel, Präsident der auf den Emissionshandel spezialisierten Evolution Markes LLC.

Große Hoffnungen auf eine weitere Belebung ihres bereits recht lebhaft laufenden Geschäfts hegen die sich mit dem Handel von Emissionszertifikaten beschäftigenden Terminbörsen. „Der CO2-Emissionshandel dürfte in den kommenden Jahren zu einem der größten Rohstoffmärkte in der Welt werden und bereits im Jahr 2005 einen Wert von bis zu 50 Milliarden US-Dollar erreichen“, sagt Peter Koesters, Vorstandschef der European Climate Exchange . Die Experten des Pew Centers glauben, dass der Marktwert des CO2-Emissionshandels in Europa bei 37 Milliarden Dollar pro Jahr liegen. „Wir stehen am Beginn einer Revolution“, zeigte sich auch Hans-Bernd Menzel, Vorstandschef der European Energy Exchange (EEX), auf dem SFOA-Derivatemeeting sehr optimistisch.

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