Zeitung Heute : In auswärtiger Mission

Juliane Schäuble

Deutsche Soldaten bleiben weiterhin in Afghanistan. Was ist nötig, damit die Bundeswehr diesen Einsatz bestreiten kann?

Die Bundeswehr wird auch im nächsten Jahr dabei helfen, die Sicherheit in Afghanistan aufrechtzuerhalten. Der alte Bundestag hat am Mittwoch in seiner letzten Sitzung das Afghanistanmandat im Rahmen der Nato-geführten Stabilisierungstruppe Isaf um zwölf Monate bis zum 13. Oktober 2006 verlängert. In Afghanistan sind insgesamt 11000 ausländische Soldaten im Einsatz.

Deutschland weitet mit der jetzt getroffenen Entscheidung sein Engagement als größter Nato-Truppensteller am Hindukusch noch aus. Die Zusatzausgaben für diese Mission, die den gesamten Norden Afghanistans einbezieht, beziffert Bundesverteidigungsminister Peter Struck mit Kosten in Höhe von 318,8 Millionen Euro. Für das Haushaltsjahr 2005 schätzte das Verteidigungsministerium bereits am 30. Juni die „einsatzbedingten Zusatzausgaben“ auf 880 Millionen Euro für alle deutschen Auslandsmissionen. Darin seien die Mehrausgaben für die Mandatsverlängerung schon enthalten, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Bei Bedarf kann die Bundeswehr ab sofort also größere Kontingente nach Afghanistan schicken. Ein Kontingent kann demnach statt wie bisher höchstens 2250 künftig bis zu 3000 Soldaten umfassen. Derzeit versehen 2242 Soldaten Dienst in Afghanistan. Weltweit sind derzeit 6300 Bundeswehrsoldaten in acht Auslandsmissionen im Einsatz. Mit 2715 Soldaten ist das Kontingent in Kosovo im Moment noch größer als das in Afghanistan. Dazu kommen 970 Soldaten in Bosnien und Herzegowina, 250 am Horn von Afrika, 23 im Mittelmeerraum, sieben Beobachter in Sudan sowie elf in Georgien und zwei an der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea. Seit dem ersten Einsatz von Sanitätern 1992 in Kambodscha haben weit mehr als 100000 deutsche Soldaten außerhalb der Heimat gedient.

Da die Kontingente alle vier Monate ausgewechselt werden, sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos (EFK) in Potsdam deutlich mehr als 20000 Soldaten mittelbar oder unmittelbar von Auslandsmissionen betroffen. Unmittelbar sind das zwei Kontingente, die sich jeweils auf ihre Entsendung nach Afghanistan, in den Kosovo oder eines der anderen Krisengebiete vorbereiten, und eines, das nach seiner Rückkehr mit der Nachbereitung beschäftigt ist. Daneben werden Kräfte für Ausbildung, Logistik und Versorgung gebraucht. Eine exakte Zahl aller Beteiligten lässt sich dennoch nicht feststellen, da zum Beispiel Ausbilder nicht nur im Rahmen von Auslandseinsätzen, sondern auch für herkömmliche Aufgaben eingesetzt werden.

Bevor die Soldaten zu Einsätzen in Krisengebiete geschickt werden, die von humanitärer Hilfe bis zu friedenserzwingenden Maßnahmen reichen, absolvieren sie vier Wochen lang eine dreiteilige Ausbildung. Dazu gehören auch Schulungen über die kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Landes. Wenn ein Einsatz politisch beschlossen wurde, gibt das EFK an, wie viele Soldaten dafür benötigt werden. Die jeweiligen Teilstreitkräfte wie Heer oder Luftwaffe stellen dem EFK daraufhin ausgebildete Kontingente zur Verfügung.

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