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Zu Fuß oder mit dem Rad: Frohnauer Heimatkunde auf drei Touren durch den nördlichsten Zipfel Berlins

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Die Gartenstadt Frohnau ist nicht nur ein beliebter Wohnort, sondern hat auch dem Besucher eine Menge zu bieten. Seit dem Mauerfall präsentiert sie sich nicht nur als nördlicher „Zipfel" des ehemaligen Westberlin, sondern auch als Bindeglied zum nördlichen Umland der Hauptstadt. Der traditionsreiche, bereits 1911 gegründete Grundbesitzerverein hat ein Faltblatt herausgegeben, das drei Touren von vier bis 15 Kilometern Länge vorschlägt, bei denen die Sehenswürdigkeiten des Ortsteils zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet werden können. „Landhäuser und Villen in Frohnau" nennt sich der erste Rundgang mit einer Länge von vier Kilometern. Wer die doppelte Strecke zurücklegen und mindestens zwei Stunden investieren möchte, kann sich auf die Tour „Von Kirchen, Straßen und Plätzen" begeben. Dagegen ist die 15 Kilometer lange Strecke, die bis zur hufeisenförmigen Invalidensiedlung und zum Hubertussee führt, nur für Pedalritter zu empfehlen. Ausgangspunkt für alle Exkursionen ist das Ensemble des Ludolfinger und Zeltinger Platzes mit dem S-Bahnhof, über den Frohnau bequem zu erreichen ist. Doch auch neben seinem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum gibt es in Frohnau viel Sehenswertes. So wird der Besucher entdecken, dass die Straßen mit unterschiedlichen Bäumen bepflanzt sind.

Eine 1925 von Paul Poser in der Zeltinger Straße 6 errichtete Villa wurde erst von der NSDPA benutzt und war dann Sitz des sowjetischen Ortskommandanten. Von der französischen Schutzmacht später in ein Kulturzentrum umgewandelt, dient das „Centre Bagatelle" auch heute noch dieser Nutzung. Eine wechselseitige Geschichte hat die nach Plänen des gleichen Architekten 1913 als Schulturnhalle gebaute St. Hildegard-Kirche. Vor ihrer Umwandlung in ein Gotteshaus hatte sie im Ersten Weltkrieg als Lazarett gedient. Das Buddhistische Haus am Edelhofdamm 54 ist von einem der berühmtesten Einwohner Frohnaus gebaut worden. Der Homöopath Paul Dahlke, der sich nach mehreren Ostasienreisen der indischen Weisheitslehre zugewandt hatte, ließ es 1924 als Tempel fertig stellen und wurde nach seinem Tod vier Jahre später selbst auf dem Gelände begraben. Seit den 60er Jahren leben wieder Mönche auf dem Gelände, das heute einer buddhistischen Gesellschaft aus Sri Lanka gehört. „Sperlingsheim" wird die Villa am Ludolfingerweg 54 genannt, die der Fabrikbesitzer Sperling 1911/12 von Heinrich Straumer - dem Architekten des Berliner Funkturms - bauen ließ und die als wichtiges Zeugnis der bürgerlichen Architektur der späten wilhelminischen Zeit gilt. Ebenso bedeutsames Beispiel für Straumers Wirken in Frohnau ist die aus der gleichen Zeit stammende Landhausgruppe An der Buche 17-21. Als Relikt des Kalten Krieges entstand im Wald 1979 ein Fernmeldemast der Deutschen Bundespost, der dem eingeschlossenen Westberlin eine abhörsichere Verbindung ins Bundesgebiet gewährleisten sollte. Mit einer Höhe von 358 Metern wurde fast die Höhe des Fernsehturmes am Alexanderplatz erreicht. Über den Ludwig-Lesser-Park, benannt nach dem Gartenarchitekten, gelangt man zum Poloplatz. Hier fungierte der 1910 vom Grafen Montgelas gegründete Poloclub als Namensgeber. Bis heute setzt eine Reitschule die Tradition des Pferdesports hier fort. Der Grundbesitzer-Verein Frohnau hat es sich zur Aufgabe gemacht, die architektonischen und natürlichen Besonderheiten des Ortsteils zu sichern und zu erhalten. Auch die 46 Mitglieder der Interessengemeinschaft Frohnauer Geschäfte (IFG) bieten auf ihrer Website Informationen zur Geschichte der Gartenstadt. Dem guten Verhältnis zwischen Anwohnern und der örtlichen Geschäftswelt soll eine eigene Kiezzeitung dienen. du-

www.frohnau-berlin.de, www.gbv-frohnau.de

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