Zeitung Heute : In Brandenburg geht das Vergnügen baden

Der Tagesspiegel

Von Claus-Dieter Steyer

Lübben/Werder (Havel). Das Land Brandenburg ist kein gutes Pflaster für große Vergnügungszentren mit Spaßbädern, Ferienhäusern und künstlichen Attraktionen: Ein Projekt nach dem anderen verschwindet wenige Zeit nach der euphorischen Ankündigung sang- und klanglos. Jüngstes Beispiel ist das „Freizeitressort Lübben“ am Rande des Spreewaldes. Das seit Mitte der neunziger Jahre immer wieder einmal von wechselnden Investoren und Lokalpolitikern aus den Archiven hervorgeholte Projekt eines subtropischen Badeparadieses scheint endgültig Makulatur zu sein.

Ein in New York ansässiger Investmentbanker hat die Suche nach Geld für das Millionenvorhaben aufgegeben. Als Ursache für seinen Rückzug nannte der Banker Manfred Beckmann eine „fehlende, zeitlich begrenzte Bankbürgschaft des Landes über 200 Millionen Euro". Nach dem öffentlich gewordenen Debakel schwindet nun auch beim Landrat des Kreises Dahme-Spreewald, Martin Wille (SPD), der Glaube an das Freizeitcenter. Doch der Spreewald brauche eine Attraktion, die junge Menschen anspreche.

Das fanden in der Nachwendebegeisterung viele: Anfang der neunziger Jahre war die Rede von 15 geplanten Freizeitparks. Verwirklicht ist bis heute kein einziger. Spektakulär hörten sich beispielsweise die Pläne für „Europas größtes Vergnügungscenter“ in der Nachbarschaft des Lausitzringes an. Süddeutsche Investoren wollten hier einen riesigen Rummelplatz aufbauen, der das ganze Jahr über täglich Zehntausende Besucher anziehen sollte. Fast zwei Jahre nach der Eröffnung der Rennstrecke spricht heute niemand mehr davon. Gleich mehrere Investorengruppen versprachen sich gute Geschäfte im Gebiet zwischen Berlin und Hamburg. Die Stadt Fürstenberg wollte sich mit einem großen „Tropicana-Center“ auf einer früheren militärischen Liegenschaft schmücken. In Häsen bei Gransee sollte ein Center-Park mit Hunderten Ferienhäusern und einem Spaßbad entstehen. Ein indischer Geschäftsmann hatte sich schließlich für Vehlefanz am nordwestlichen Berliner Stadtrand entschieden. Das Einkaufszentrum mit 40 000 Quadratmeter Verkaufsfläche sollte einen Vergnügungspark subventionieren.

Überall fehlte es am notwendigen Geld, obwohl der Schwarze Peter oft den Landesbehörden zugeschoben wurde. Sie würden nicht die Chancen erkennen, die der neue Freizeitmarkt biete, hieß es oft. Das Land schlug einen anderen Weg ein. Es förderte den Bau von kleineren Freizeit- und Thermalbädern, die sich heute wie Perlenketten durchs Land ziehen. Alle melden zufriedene Geschäfte. Erst kürzlich öffnete die „Erlebniscity Oranienburg“ ihre Türen. „Wir spekulieren auf viele Besucher aus Berlin“, sagte Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke. „Irgendwie muss unser großer Kredit abbezahlt werden." Optimismus wird auch in Werder (Havel) verbreitet. Die Zypriotin Suzanne Melas will bis 2004 einen griechischen Wasserpark mit unzähligen Attraktionen bauen. Die Zweifel an ihren Plänen wachsen allerdings. Denn im Januar hatte die Investorin davon gesprochen, dass in „wenigen Wochen“ die Finanzierung steht. Das ist bisher offenbar nicht der Fall. „Es gibt noch einige bürokratische Hürden“, meinte Pressesprecherin Sun Jensch von der Entwicklungsgesellschaft Mega, auf deren Gelände in Werder der 12-Millionen-Euro-Bau entstehen soll. „Bald ist alles in trockenen Tüchern“, sagte sie gestern. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg bestätigte auf Anfrage, dass die Unterlagen derzeit noch geprüft würden.

Schon in diesem Sommer öffnet südlich von Leipzig Deutschlands größter Vergnügungspark - Berliner und Brandenburger sind als Gäste fest eingeplant.

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