Zeitung Heute : In der Ferne so nah

Kurzsichtigkeit lässt sich meist durch eine Laseroperation beheben

Adelheid Müller-Lissner

Kurzsichtigkeit ist ein weit verbreitetes Leiden. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch die Schätzungen liegen zwischen 15 und 30 Millionen betroffenen Bundesbürgern. Im Gegensatz zu den Altersweitsichtigen brauchen sie ihre Sehhilfe nicht beim Lesen, sondern für den scharfen Blick in die Ferne. Interessante neue Forschungen sprechen allerdings dafür, dass auch Kurzsichtigkeit mit dem Lesen zu tun hat: Denn ausgiebiges Lesen könnte die Sehschwäche fördern.

Bei dem Leiden, das Mediziner als Myopie bezeichnen, ist der Augapfel zu lang geraten – jedenfalls im Verhältnis zur Brennweite von Hornhaut und Linse. Deshalb werden entfernte Objekte nicht genau auf der Netzhaut abgebildet, sondern schon ein paar entscheidende Millimeter vor ihr. Mit einer Streulinse muss das Bild in die Retina zurückverlegt werden. „Die Empfindlichkeit der Augen auf Naharbeit ist genetisch determiniert", fasst der Physiker Frank Schaeffel von der Tübinger Forschungsstelle für Experimentelle Ophthalmologie (die wissenschaftliche Augenheilkunde) den augenblicklichen Stand des Wissens zusammen.

Für passgenaues Wachstum der Augäpfel scheint auch der Tag-Nacht-Rhythmus wichtig zu sein. Eine amerikanische Studie ergab, dass Kinder, die mit einem kleinen Nachtlicht oder gar bei voller Raumbeleuchtung schlafen, später stärker zur Kurzsichtigkeit neigen. Dass ein Ursache-Wirkungs-Mechanismus besteht, ist allerdings damit noch nicht bewiesen.

Wenn der Mensch in der Ferne nicht scharf sieht, braucht er – wenigstens im Kino und am Steuer – zerstreuende Linsen, die den Fehler ausgleichen. Das geschieht meist in Form einer Brille oder mit Kontaktlinsen. Die Brille hat oftmals den Nachteil, dass sie das Gesichtsfeld einengt und lästigerweise bei starken Temperaturschwankungen beschlägt. Allerdings muss man sich um die gewissenhafte Reinigung nicht solche Gedanken machen wie bei Kontaktlinsen, die zudem die Hornhaut reizen können und bei manchen Krümmungsfehlern völlig ungeeignet sind.

Optisch haben Kontaktlinsen Vorteile, weil sie das Netzhautbild nicht so stark verkleinern wie die Brille. Das wirkt sich bei starker Kurzsichtigkeit aus. Harte Linsen sind gewöhnungsbedürftiger und gehen leichter verloren, weiche müssen dafür noch akribischer desinfiziert und gereinigt werden.

Es gibt zwar Kurzsichtige, die sich so an ihre Brille gewöhnt haben, dass sie sich „oben ohne“ nackt vorkämen. Die meisten aber finden den Zwang zur Sehhilfe einfach nur lästig. Und das vor allem, weil er, im Unterschied zur klassischen Altersweitsichtigkeit, meist seit der Jugend besteht. Kein Wunder, dass immer wieder Hoffnungen in ein „Training“ der Augen gesetzt werden. Doch von Seiten der Ophthalmologie wird immer wieder darauf hingewiesen, dass das Längenproblem des Augapfels weder durch Training von Muskeln noch durch Ausruhen gebessert werden kann. Dafür gibt es Hoffnung auf Medikamente, die das Längenwachstum des Augapfels hemmen könnten. Mit Atropin-Tropfen (aus dem Gift der Tollkirsche gewonnen), die die Pupillen weit stellen und die Akkomodation zeitweise lahm legen, gibt es schon erste Erfolge.

Erfolgsrate bei 90 Prozent

Einstweilen jedoch bleibt als endgültige Lösung nur die Operation. Die älteste und sicherste Methode ist die so genannte photoablative refraktive Keratektomie, kurz PRK. Dafür wird mit dem Excrimer-Laser eine sehr dünne Schicht der Hornhaut abgetragen, so dass sich die Brechkraft verringert. Die Erfolgsrate liegt bei 90 Prozent. Komplikationen sind selten.

In den letzten Jahren wird zunehmend auch das „Lasik“ (Laser in situ keratomileusis)-Verfahren eingesetzt. Dabei wird nicht die Hornhaut selbst mit dem Laser behandelt, sondern eine darunter liegende Gewebeschicht. Eine dünne Hornhautlamelle wird dafür abgetrennt und hochgeklappt, damit anschließend darunter gelasert werden kann. Nach der Behandlung wird der „Deckel“ wieder zurückgeklappt und fixiert. Bisher sind die Komplikationsraten jedoch noch höher.

Was die Sehschärfe betrifft, ist bisher noch bei keiner Methode hundertprozentige Sicherheit gegeben. Zum Beispiel besteht die Gefahr einer Überkorrektur der Kurzsichtigkeit oder verstärkter Blendungsempfindlichkeit. Auch wenn solche Probleme selten auftreten, fallen sie dennoch ins Gewicht.

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