Zeitung Heute : In der Gaststätte: Wann kommt endlich das Essen?

Susanna Nieder

Wer Koch sein will, muss ganz schön Kraft haben. Die Töpfe sind schwer, den ganzen Tag steht man auf dem harten Fliesenboden, und außerdem wird Schichtdienst geschoben. Das bedeutet: Mal geht die Arbeit vom Morgen bis zum Nachmittag, mal vom Nachmittag bis in die Nacht, und manchmal sogar von spät abends bis früh morgens. Denn Hunger haben die Leute immer.

In der Küche vom Chalet Suisse ist immer dann besonders viel los, wenn die meisten Leute frei haben, denn das Restaurant im Grunewald ist ein Ausflugslokal. Wenn die Sonne scheint und ihr mit euren Eltern ins Grüne fahrt, sausen Chefkoch Matthias und seine sieben Köche zwischen den Herden herum und braten Fleisch, rühren Soßen, richten Salat an und kochen Kartoffeln - bis zu 150 Kilo an einem Wochenende. Könnt ihr euch vorstellen, wie lange man braucht, um die zu schälen? Oder Teller: Bis zu 1000 Stück müssen an einem einzigen Tag gespült werden, dazu Gläser, Schüsseln und Besteck.

Matthias ist gerne Koch. Es macht ihm Spaß, Essen so zu machen, dass es nicht nur gut schmeckt, sondern auch schön aussieht, gut riecht und gesund ist. Damit das klappt, ist er immer auf der Suche nach guten Zutaten, also schönem Gemüse, frischem Fisch, gesundem Fleisch. "Was wir hier schon allein Kartoffeln probieren, könnt ihr euch gar nicht vorstellen", sagt er. Überhaupt probiert er den ganzen Tag, denn er muss ja wissen, ob das, was er den Gästen vorsetzt, auch schmeckt. Ein Koch muss ganz schön aufpassen, dass er bei der Arbeit nicht dick und rund wird.

Aber Matthias möchte nicht nur, dass die Erwachsenen seine Gerichte gerne essen. Seine Tochter Celine ist erst fünf, aber sie weiß schon, was Kürbiskernöl ist und dass es gut schmeckt. Neulich hat er sie sogar überredet, eine Wachtelkeule zu essen, das ist so ähnlich wie Hühnchen, nur kleiner. Celine hat schließlich gegessen, und der Papa hat sich gefreut. Er findet nämlich, dass Kinder öfter mal was anderes probieren sollten als Pommes mit Ketchup. Davon wird man bloß dick. Die Deutschen sollen mittlerweile das dickste Volk der Erde sein - noch dicker als die Amerikaner. Und das will was heißen.

Damit Kinder also auch mal was anderes essen, gibt es im Chalet Suisse eine extra Kinderspeisenkarte. Darauf stehen Eierpfannkuchen, Hähnchenbrust und frisches Gemüse. Und wer nun mal nichts anderes mag, kriegt Nudeln mit Tomatensoße. Und hinterher ein Pikatchueis. Denn gesund essen heißt ja nicht, dass es langweilig sein muss.
Der Fotograf: Peter Pelzer (4 Jahre)

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