Zeitung Heute : In der Osthälfte überwiegend trocken

Die heimische Scholle muss in Zukunft aus klimatischen Gründen anders beackert werden

Katja Gartz

Das Wetter macht vielen Bauern in Brandenburg zu schaffen: Erst zu viel Hitze im vergangenen Frühjahr und dann ein Sommer mit wochenlangem Starkregen. „Die extreme Witterung macht die Ernten kaputt“, klagt Landwirt Timo Wessels aus Kloster Lehnin. Was die Stürme von seinen Mais- und seinen Roggenpflanzen übrig gelassen hatten, verrottete auf überschwemmten Äckern – der ausgetrocknete Boden konnte kein Wasser mehr aufnehmen. In Brandenburg lag die Getreideernte rund zehn Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Nach dem heißen Sommer 2003 wurden im vergangenen April neue Rekorde verzeichnet: Es war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Anschließend regnete es von Mai bis August stellenweise so viel wie sonst in einem ganzen Jahr. „So etwas wird normal“, sagt Hermann Lotze-Campen vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Generell seien in Deutschland steigende Temperaturen zu verzeichnen, die Sommer würden trockener, die Winter feuchter. Dabei nehmen die Niederschläge im Nordwesten Deutschlands zu. Die Folgen der sich zunehmend stärker erwärmenden Atmosphäre sind spürbar. Bauern können sich an extreme Witterungen nur anpassen, wenn sie verschiedene Pflanzenarten und -sorten anbauen. Mais zum Beispiel braucht viel Wasser. Er wird künftig in nördlichen Gegenden besser gedeihen. Trockenresistente Arten wie Hirse, Soja oder die anspruchslose Energiepflanze Elefantengras überstehen indes auch Brandenburgs heiße Sommer.

Landwirt Timo Wessels hat bereits für den richtigen Mix auf dem Acker gesorgt: So wachsen neben Mais und Roggen auch Hirse und Sudangras, das Ähnlichkeit mit Mais – indes keine Kolben – hat. Aufgrund höherer Temperaturen wachsen die Feldfrüchte schneller. Werden die zarten Pflänzchen nicht im Frühjahr durch Frost zerstört, reifen sie ein bis zwei Wochen früher als vor rund fünfzig Jahren. Da das wachsende Saatgut vor allem in den heißen Wochen Wasser braucht, werden Bauern verstärkt auf frühreife Weizensorten setzen müssen.

Armin Werner, Leiter des Instituts für Landnutzungssysteme und Landschaftsökologie der Leibniz Gesellschaft, weist darauf hin, dass sogenannte Hybridsorten aufgrund ihrer aufwendigen Züchtung zwar teurer, aber auch bei trockenem Klima leistungsfähig sind. Gerade in trockenen Regionen wird eine wassersparende Landwirtschaft, die in geringere Verdunstung investiert, wichtiger.

Bemerkbar macht sich die Klimaerwärmung auch beim Weinanbau. Reben könnten bald schon passende Wachstumsbedingungen in nördlichen Regionen finden. „Rote Merlottrauben, die es nie in Deutschland gab, wachsen bereits heute schon in Süddeutschland“, beobachtet Professor Helmut Herzog von der Humboldt-Universität. Wegen milder und feuchter Winter werden nicht nur diese Pflanzen allerdings stärker unter Schädlingsbefall und Pilzerkrankungen leiden.

Aus diesem Grund geht in der Forstwirtschaft der Trend zu Mischwäldern. Diese sind laut Lotze-Campen robuster als Fichtenwälder, überdies weniger anfällig für Waldbrände. „Hinzu kommt, dass die alten Bäume durch die fehlende Winterruhe geschwächt sind, stärker von Krankheiten befallen werden“, berichtet der Klimaexperte.

Auf veränderte klimatische Bedingungen reagiert auch das Vieh: „Bei hohen Temperaturen nehmen Mutterkühe ab“, hat Agrarwissenschaftler Werner beobachtet. Künftig würden wohl Kühlanlagen in Ställen benötigt. Durch Züchtungen könnten die Tiere widerstandsfähiger gemacht werden. Neben der herkömmlichen Landwirtschaft ist für viele Bauern die von der Bundesregierung geförderte Erzeugung erneuerbarer Energien ein wichtiger Erwerbszweig geworden. Ziel der Europäischen Union ist, 20 Prozent des Energiebedarfs bis 2020 durch erneuerbare Energien zu decken.

Landwirt Timo Wessels betreibt mit Mais, Gras und Roggen seit Sommer ebenfalls eine Biogasanlage. „Ich wollte eine höhere Wertschöpfung erreichen“, sagt der Brandenburger. Die Gärreste, die bei der Energieproduktion anfallen, könne er als Dünger weiterverwenden. Agrarwissenschaftler Werner glaubt, dass der Konkurrenzkampf zwischen Energie- und Nahrungsmittelwirtschaft härter wird. „Weil Biogasproduzenten mehr für Mais bezahlen als Bullenmäster, geht die Tierproduktion wegen Futtermangel zurück“, sagt er.

Ab diesen Freitag werden auf der Internationalen Grünen Woche Berlin bis zum 27.1. u. a. praktische und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema nachwachsende Rohstoffe dargestellt. Messeinformationen finden Sie auf Seite 18 dieser Ausgabe und unter www.gruenewoche.de

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