Zeitung Heute : In der Szene Empörung über Brandanschlag

Der Tagesspiegel

Der 1. Mai ist umstritten wie selten zuvor. Nicht nur zwischen der Innenverwaltung und dem Personenbündnis für ein friedliches politisches Festival in Kreuzberg. Auch innerhalb der linksradikalen Szene tobt offenbar ein Streit darüber, wie der Feiertag in diesem Jahr aussehen soll. Nach dem Brandanschlag auf das Auto von Peter Grottian, einem der Initiatoren des Personenbündnisses, meldeten sich am Mittwoch „autonome und antifaschistische Gruppen“ zu Wort, die den Anschlag scharf verurteilten. Dieser Anschlag sei „der traurigste und hohlste, an den wir uns seit langer Zeit erinnern können“, schreiben die Linksradikalen. Er zeige, „wie schmal der Grat zwischen politischer Militanz und inhaltsleerer Gewalt ist“.

Grottians Auto war am Montagabend in Kreuzberg mit einem Brandsatz verwüstet worden – während Grottian bei einem Treffen war, um eine gemeinsame Strategie mit linksradikalen Gruppen für den 1. Mai zu entwickeln. Grottian selbst weist jede Spekulation über die Täter von sich. In ihrer Erklärung gehen die Autonomen jedoch offenbar davon aus, dass die Täter aus der eigenen Szene stammen und das Konzept von Grottian torpedieren wollen. Sie schreiben: Mit Grottian „trefft Ihr einen, der sich seit Jahrzehnten genauso gegen Berufsverbote wie für Arbeitsloseninitiativen engagiert“. Es gebe wenige Linke, die in der Lage seien, sich auf Kritik einzulassen und konstruktiv damit umzugehen. „Mit wem wollt ihr euch eigentlich überhaupt noch auseinandersetzen?“ fragen sie die Täter. Man könne über das Grottiansche Bündnis geteilter Meinung sein, aber die Idee für den 1. Mai „wieder einen politischen Ansatz“zu finden, sei doch richtig. Erstmals bestünde durch das Bündnis die Chance, politische Inhalte zu transportieren und ohne Polizei friedlich zu feiern. babs

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