Zeitung Heute : In der Vielfalt liegt der Erfolg

Die Derivatemärkte wachsen rasanter als die Kassamärkte

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Derivatebörsen bieten den Anlegern eine immer buntere und vielfältigere Produktpalette. Banken und Börsen kreieren zum einen neue Finanzprodukte und setzen zum anderen dabei stärker auf bislang für die Anwender nicht verfügbare Basiswerte. Bisher drehte sich das Geschäft mit Derivaten vor allem um traditionelle Finanzwerte wie Aktien, Anleihen und Devisen. Jetzt wird den Anlegern immer stärkerer Zugang zu neuen Basiswerten Erde, Luft und Wasser, erneuerbaren Energien, Immobilien, Katastrophen- und Wetterrisiken geboten.

Der in dieser Vielfalt liegende Erfolg der Derivatebörsen hat Begehrlichkeiten bei jenen geweckt, die sich in der Vergangenheit vor allem auf das Wertpapier-Kassageschäft konzentriert hatten. So hat jetzt auch die altehrwürdige New York Stock Exchange (NYSE) einen Blick auf den Derivate-Sektor geworfen. „Die Derivatemärkte wachsen rasanter als unsere Kassamärkte“, sagt NYSE-Vorstandschef John Thain, der so die strategische Ausrichtung der im Herzen Manhattans sitzenden weltgrößten Wertpapierbörse vorgibt. Thain will durch den geplanten Zusammenschluss mit der Mehrländerbörse Euronext N.V. zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn bei einer erfolgreichen Fusion hätte sich die NYSE mit dem Terminbörsen-Betreiber EuronextLiffe die fünfgrößte Derivatebörse in der Welt einverleibt und sich zudem zugleich einen direkten Zugang zu den stark wachsenden europäischen Kapitalmärkten verschafft.

„Unsere Märkte erreichen seit Jahren Wachstumsraten von rund 25 Prozent per anno“, sagt Craig Donohue, Vorstandsvorsitzender der Chicago Mercantile Exchange (CME). Nach Berechnungen der Futures Industry Association (FIA) – der Branchenvereinigung der amerikanischen Derivatemärkte – ist die Zahl der an den größten 57 Terminbörsen in der Welt gehandelten Kontrakte in den ersten vier Monaten 2006 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 23,7 Prozent gestiegen.

Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung aller an den zehn größten Wertpapierbörsen in der Welt gelisteten Aktiengesellschaften kletterte im ersten Halbjahr 2006 gerade einmal um knapp sieben Prozent. UGR

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