Zeitung Heute : In der Welt der Männer

Aynur Sarikaya setzt sich als Ingenieurin durch

Sybille Nitsche

„Zart besaitet sollte man nicht sein.“ So lautet das Fazit von Aynur Sarikaya. Anfang der 90er Jahre hatte sie sich für das Studium der Umwelttechnik an der TU Berlin entschieden. Dort waren Frauen in der Minderheit. Seit fünf Jahren arbeitet die 36-jährige Umweltverfahrenstechnikerin nun auch in einer Berufswelt, die von Männern dominiert wird: Sie plant neue Fabrikanlagen.

Ihre ersten Berufserfahrungen sammelte sie bei einem großen Autokonzern. Mehr als einmal habe sie erlebt, dass Geschäftspartner wie selbstverständlich davon ausgingen, dass nicht sie die Projektleiterin sei, sondern der mitreisende Kollege. Doch dieser Ignoranz begegnet sie mit heiterer Gelassenheit. „Das heißt nicht, dass ich solche Irrtümer auf sich beruhen lasse“, sagt sie.

Als Türkin mit deutschem Pass in einem Männerberuf, ohne Kopftuch, ohne Ehering, ohne Kinder, perfekt Deutsch, Türkisch und Englisch sprechend, noch dazu „aus ganz einfachen, dörflichen Verhältnissen stammend“: Sarikaya widerlegt viele Klischees.

Seit einem Jahr arbeitet sie bei der Berliner Firma IB Vogt an neuen Fabriken für die Solarindustrie. Sie besichtigt die Baustellen und kontrolliert den Fortgang der Arbeiten. Immer seltener muss sie sich mit den pubertären Attitüden der Männer herumschlagen. Sie hat gelernt, sich durchzusetzen. Am Ingenieurberuf fasziniert sie die Vielseitigkeit und Komplexität der Aufgaben, die bei der Planung einer Fabrikanlage zu bewältigen sind. Besonders die Fähigkeit zur Analyse ist gefragt.

Als Aynur Sarikaya ihr Studium begann, wollte sie einen Job mit guten Aussichten. Offensichtlich war ihre Entscheidung richtig. Bisher verlief ihre Karriere ohne Brüche.

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