Zeitung Heute : In die Rathauspassagen sollen Händler einziehen, im Alextreff ein Multiplex öffnen

oew

In die Stadtplanung rund um den Alexanderplatz kommt Bewegung. Die Wohnungbaugesellschaft Mitte (WBM) plant, die seit langem brachliegenden Passagen im Häuserriegel an der Rathausstraße im kommenden Jahr zu einem Einkaufszentrum auszubauen. Der daneben stehende und seit Jahren geschlossene Alextreff wird darüber hinaus abgerissen und durch ein neues Multiplexkino ersetzt. Beides bleibt nicht ohne Wirkung auf die geplanten Hochhäuser rund um den Alexanderplatz, ziehen doch in die Rathauspassagen und das neue Kino Mieter ein, die auch für die Türme am Alex in Frage gekommen wären.

So will die Ufa das Kino mit 2600 Sitzplätzen und neun Sälen im Alextreff betreiben, war bislang jedoch als Mieter eines Multiplex in einem der Hochhäuser auf dem Alexanderplatz im Gespräch. Offenbar dauerte der Kino-Gruppe die Planung und Realisierung der teuren Türme jedoch zu lange, außerdem war mit dem Alextreff ein attraktiver Alternativ-Standort vorhanden. Die Ufa betreibt neben traditionellen Kinos wie der Filmbühne Wien und dem Marmorhaus am Kurfürstendamm auch das Kosmos-Multiplex in Friedrichshain und eröffnet im November ein neues Multiplexkino am Treptower Park.

Eigentümerin des Alextreffs ist die Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG), und dort gibt man sich ausdrücklich bedeckt. "Wir führen positive Gespräche" ist alles, was TLG-Sprecherin Elke Schicktanz sagt. Die Abrissgenehmigung für den Alextreff und einen Bauvorbescheid für das neue Kino hat das Bezirksamt indes erteilt, behördlicherseits steht dem Neubau nichts im Weg. Und auch die TLG dürfte froh sein, für den Alextreff nach jahrelanger Suche endlich eine Lösung gefunden zu haben. Auch die WBM ist noch zurückhaltend, hatte sie doch vor zwei Jahren bereits ihre Pläne für die Rathauspassagen wieder in der Schublade verschwinden lassen. Damals sollte der Umbau rund 90 Millionen Mark kosten.

Die Entwicklung kommt Mittes Baustadtrat Thomas Flierl (PDS) nicht ungelegen. Er ist im Verein mit anderen Bezirkspolitikern ein erklärter Gegner der Hochhaus-Pläne am Alex. "Die planerische Kraft reicht offenbar nur aus, um die Rathauspassagen und das Gebiet südlich des Platzes zu entwickeln", bilanziert er nüchtern. Er sieht darin aber auch ein Chance: "So könnte die gesamte Planung für den Alexanderplatz realistisch angepasst werden." Soll heißen: Er hofft auf ein endgültiges Aus für die Hochhäuser rund um den Fernsehturm.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben