Zeitung Heute : In einer sechsteiligen Reihe zeigt die ARD Vera Brühne und ihre Hintermänner

Robert Bongen

Der Prozess um Vera Brühne hat wohl wie kein anderer die Öffentlichkeit in der Bundesrepublik gefesselt. 90 Jahre ist sie mittlerweile alt. 52 Jahre war sie, als das Münchner Schwurgericht sie für einen Doppelmord zu lebenslangem Gefängnis verurteilte: Gemeinsam mit einem Bekannten soll sie im April 1960 den Arzt Otto Praun und dessen Geliebte Elfriede Kloo ermordet haben. Eifersucht wurde ihr damals als Motiv unterstellt, Boulevard-Blätter zeichneten das Image einer "geldgierigen Lebedame". Erst 1979 wurde Brühne vom damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß begnadig - ohne Begründung.

"Ich habe das doch nicht getan! Wie kann man einen Menschen unschuldig hinter Gitter schicken?" fragt sie im Gespräch mit Michael Gramberg. Für die WDR-Dokumentation "Lebenslänglich für Vera Brühne" (21 Uhr 45, ARD) hat Vera Brühne erstmals vor der Kamera ihre Geschichte erzählt, die sie nur das "Grauen" nennt. Der Film deckt Widersprüche im Urteilsspruch von 1962 auf: Ist Vera Brühne Opfer eines Politkrimis geworden? "Das Urteil ist haarsträubend", meint Autor Gramberg, "was aber nichts über die Schuldfrage sagt". Das ausführliche Gespräch mit Vera Brühne zeigt das WDR-Fernsehen morgen um 23 Uhr.

Mit "Lebenslänglich für Vera Brühne" startet das Erste heute die sechsteilige Reihe "Die großen Kriminalfälle". Spektakuläre Fälle aus West und Ost, die Schlaglichter auf den jeweiligen Zeitgeist werfen. Im "Kreuzworträtsel-Mord" (Sendetermin: 8. Juni) etwa bricht sich das System DDR. Rekonstruiert wird die aufwändigste Ermittlungsaktion der DDR-Geschichte: Anfang der 80er Jahre werden 551 198 Schriftproben ausgewertet, um einem Kindermörder auf die Spur zu kommen. Alle dokumentierten Fälle geben Rätsel auf. Die Autoren fragen nach Hintergründen und Hintermännern, sprechen mit Zeitzeugen, durchforsten Akten, entdecken neue Verstrickungen. In den Mordfällen "Rosemarie Nitribitt" und "Walter Sedlmayr" ebenso wie in den Fällen der Berliner Gladow-Bande und des Kindermörders Jürgen Bartsch.

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