Zeitung Heute : In gefährlicher Nachbarschaft

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Amerika fürchtet in der Tat den Ausbruch eines Bürgerkriegs im Irak, aber Regierung und Militär wollen nicht öffentlich sagen, wie sie dann reagieren würden. Sie betonen, die Präsenz der US-Armee und die politischen Bemühungen würden dem Ziel gelten, diese Entwicklung zu verhindern. Präsident George W. Bush forderte die Iraker nach den Anschlägen auf die Goldene Moschee in Samarra und den Racheakten auf sunnitische Gotteshäuser auf, Ruhe zu bewahren und die politischen Gespräche fortzusetzen. Am Tag vor dem Anschlag hatte der US-Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad – ein fließend Arabisch sprechender Muslim –, die Religionsgruppen im Irak gewarnt, die USA würden „keine sektiererischen Ziele dulden“. Anlass waren Gerüchte über schiitische Todesschwadronen, die angeblich im Auftrag des Innenministeriums Sunniten umbringen, die mit dem Saddam-Regime verbunden waren.

Die Armeeführung hält an dem Ziel fest, die Verantwortung für die Sicherheit nach und nach vollständig an irakische Kräfte zu übertragen. General Mark Kimmitt sagte im Gespräch mit ausländischen Korrespondenten am Dienstag, die USA wollten „langfristig keine größeren Truppen im Irak“ haben und auch keine Militärstützpunkte auf Dauer – es sei denn, die Regierung in Bagdad bitte darum. Die Verantwortung für die Sicherheit der Moscheen hat seit längerem die irakische Polizei, nicht die US-Armee.

US-Medien berichten in sorgenvollem Ton von den Anschlägen und warnen vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs. Sie verweisen auf negative Einflüsse der Nachbarn. Syrien lasse nach wie vor Aufständische über seine Grenzen zum Irak einreisen. Iran nehme Einfluss auf die radikaleren Schiitenführer. Bei einer Eskalation des Atomstreits mit Teheran könne Iran den USA im Irak große Probleme bereiten, den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten schüren und die rund 160 000 US-Soldaten im Irak sozusagen zu politischen Geiseln machen.

In Hintergrundgesprächen ist aber auch die These zu hören, die Eskalation zeige die verzweifelte Lage der ausländischen Aufständischen im Irak. Erst hätten sie gegen die UN gebombt, dann gegen die US-Armee, dann gegen Iraker, die für Polizei und irakische Armee arbeiten wollten – jeweils mit geringem Erfolg. Mit den Bomben gegen Moscheen würden sie die irakische Bevölkerung endgültig gegen sich aufbringen und jede Unterstützung im Land verlieren. Der Versuch, einen Bürgerkrieg herbeizubomben, werde daher scheitern.

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