Zeitung Heute : in ihrer Brust

Berlinerinnen erkranken jedes Jahr an einem solchen Tumor. sind erfolgversprechend - wenn früh genug behandelt wird

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Zunächst wird der Tumor entfernt. Der Operateur schneidet einen Sicherheitsrand aus dem Bindegewebe um den Tumor und kontrolliert, ob Lymphknoten befallen sind. Der Pathologe untersucht den Tumor. So weit, so üblich. Dann aber näht der Arzt eine Kunststoffkugel in das Loch ein, Durchmesser zwei bis vier Zentimeter. In deren Mitte verläuft ein schmaler Kanal – in den das Strahlengerät gesteckt wird. Bestrahlungsdauer: 20 bis 40 Minuten. Dann wird die Kugel wieder entfernt und die Wunde zugenäht.

Die Mediziner versprechen sich von dieser Methode, die ehemalige Tumorregion punktgenau zu treffen, um so die Nebenwirkungen zu verringern. „Zudem soll den Frauen künftig die sonst übliche, wochenlange Strahlentherapie nach der Operation erspart bleiben“, sagt Jens-Uwe Blohmer, der Leiter des Brustzentrums im Sankt Gertrauden Krankenhaus. Ob sich die Methode bewährt, werde man frühestens in zwei Jahren wissen.

Doch schon jetzt steht fest, dass sie sich nicht für sehr schwer betroffene Patientinnen eignen wird. Und die Patientin muss mindestens 50 Jahre alt sein. „In diesem Alter ist es weniger wahrscheinlich, dass der Tumor an anderer Stelle wieder auflebt“, sagt Blohmer.

Martina Hunold hat sich bei einer befreundeten Ärztin Rat geholt. Sie wirkt abgeklärt, manchmal fast unbeteiligt. Sie spricht dann von sich wie von irgendeiner Frau, die Krebs hat. Fern scheint jene Frau, die, als sie mit der Diagnose nach Hause kam, den Türpfosten umarmte, als werde sie nie wieder einen Menschen in ihren Armen halten. Musik mit voller Lautstärke hörte und sich besinnungslos tanzte. Und danach eine Stunde lang hemmungslos heulte. Die Auseinandersetzung mit der Diagnose ist ein ständiger Kampf gegen den Wunsch nach Verdrängung. Die Berliner Soziologin Silke Kirschning hält das für ein typisches Phänomen.

Den 14. Februar 2006 wird Martina Hunold so schnell wohl nicht verdrängen: Die Ärztin begrüßt sie in ihrem Arbeitszimmer in der Klinik, auf dem Schreibtisch die Krankenakte. Ein knapper Begrüßungssatz. Dann sagt die Ärztin, es sei etwas Bösartiges. Viel mehr nimmt Hunold nicht wahr, ihr Kopf ist wie betäubt, von sehr fern erreicht sie nur noch, dass die Ärztin sagt: Eine Operation sei nötig.

Solche Gespräche sind heikel, für den Arzt, der die schlechte Nachricht überbringt, wie für den Patienten. Die Kölner Journalistin Sibylle Herbert hat dazu ein Buch geschrieben: „Überleben Glückssache“. Darin kritisiert Herbert, selbst Betroffene, dass Ärzte selten ausführlich erklärten. Es ist ein Vorwurf, den Patienten oft erheben. Offenbar sieht auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie Handlungsbedarf. Sie empfiehlt ihren Ärzten nachdrücklich, den Umgang mit Patienten zu lernen.

Martina Hunold fühlte sich gut behandelt. „Ich hatte erst mal keinen Aufklärungsbedarf, als ich die Diagnose erfahren hatte. Die Ärztin hat das wohl gespürt“, sagt sie. „Die Diagnose war der Schock, nicht das Verhalten der Ärztin.“

Als sie auf dem Klinik-Flur darauf wartet, einen OP-Termin zu bekommen, denkt sie, dass sie die Hauptrolle in der Aufführung ihrer Laien-Theatergruppe nicht wird spielen können. Heute wundert sie sich darüber. So banal. Was der Krebs für ihr weiteres Leben bedeuten könnte, „das habe ich nicht mal ansatzweise geahnt.“

Der Gedanke etwa, dass sie sich gerade erst selbstständig gemacht hat und sich eigentlich nicht leisten kann, Krebs zu haben. Der Gedanke, was wohl die Therapie mit ihrem Körper anstellen wird. All das kam erst später.

Ob sie nach den 25 Bestrahlungen geheilt sein wird, weiß derzeit niemand. Eine Chemotherapie will sie dennoch nicht machen, obwohl die Ärzte ihr dazu rieten. Sie will sehen, wie sich alles entwickelt. Demnächst tritt sie mit ihrer Theatergruppe auf. Ein Märchen. Die Figuren werden verrückt, nur ein Junge bleibt normal. Weil er als einziger Ruhe bewahrt.

* Name geändert

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