Zeitung Heute : In Korea wird wieder geschossen

Schlimmste Eskalation seit 1953 / Der Norden feuert Granaten gegen Insel im Süden

Mit einem der schwerwiegendsten militärischen Zusammenstöße seit dem Ende des Koreakriegs 1953 hat der Konflikt um Nordkorea eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Am Dienstag feuerte Nordkorea nach südkoreanischen Angaben dutzende Artilleriegeschosse auf die Insel Yeonpyeong im Gelben Meer ab. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, dass dabei zwei Soldaten getötet und 16 verletzt worden seien.

Der Zwischenfall ereignete sich während eines südkoreanischen Manövers in der Region. Nordkorea ließ über seine staatliche Nachrichtenagentur KCNA verbreiten, dass Südkorea zuerst Geschosse abgefeuert habe. Nordkorea drohte mit weiteren Militärschlägen gegen das Nachbarland. Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, man habe das Feuer lediglich erwidert und Artilleriestützpunkte an der nordkoreanischen Küste unter Beschuss genommen. Die südkoreanische Armee wurde nach dem Angriff in den höchsten Alarmzustand versetzt. Südkoreanische Kampfjets seien zu der Insel geschickt worden, um diese zu überfliegen. Laut Berichten des TV-Senders YTN wurden dutzende Häuser beschädigt und mehrere Menschen verletzt. Augenzeugen zufolge gerieten zahlreiche Häuser in Brand. Es seien mindestens 200 Granaten eingeschlagen, hieß es. Die 1600 Inselbewohner wurden in Sicherheit gebracht.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff Nordkoreas. In einer Erklärung hieß es , Ban rufe dazu auf, Differenzen zwischen beiden Staaten im Dialog und mit friedlichen Mitteln auszuräumen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich „empört“. Er werde mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak telefonieren, um die „amerikanische Solidarität“ auszudrücken, sagte der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Bill Burton. Russland bezeichnete die Gewaltanwendung zwischen beiden koreanischen Staaten als absolut inakzeptabel. Eine Ausweitung der Gefechte müsse vermieden werden, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an beide Staaten, die Spannungen nicht zu verschärfen. „Diese erneute militärische Provokation gefährdet den Frieden in der Region.“ Auch Nordkoreas engster Verbündeter China äußerte sich besorgt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking forderte beide Seiten auf, den Frieden zu wahren und zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückzukehren. In den Verhandlungen der beiden koreanischen Staaten, der USA, Russlands, Chinas und Japans soll die Führung in Pjöngjang zur Aufgabe ihres Atomprogramms bewegt werden. Die Runde ist seit rund zwei Jahren ausgesetzt. Einem französischen Diplomaten zufolge wird der UN-Sicherheitsrat bald zu einer Sondersitzung zusammentreten.

Neben dem nordkoreanischen Atomprogramm sorgen immer wieder militärische Zusammenstöße für Spannungen. Zuletzt hatte der Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010, bei dem 46 Matrosen starben, die Beziehungen der Staaten belastet. Die USA und Südkorea beschuldigten Nordkorea, das Schiff versenkt zu haben.mit dpa

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