Zeitung Heute : In Potsdam am Ufer die Wellen zählen - da kostet ein Quadratmeter schon mal 15 000 DM

Kathrin Aldag-Gendner

Plattenbauten, Gründerzeitvillen: Wohnen in Potsdam gibt es in allen Schattierungen von schlicht bis luxuriös. Das gilt nicht nur für Altbauten. "Langfristig rechnen wir mit einem Zuwachs von 15 600 Wohneinheiten", sagt Rita Haack vom Presse- und Informationsamt der Stadt, wobei die wirkliche Zahl "selbstverständlich von der Bevölkerungsentwicklung" abhänge.

Eines der neuen Projekte ist das Kirchsteigfeld. Mit sanften Tönen empfängt Potsdams jüngster Stadtteil. Erdrot, Zartblau, Grau, Weiß, Ocker und Gelb - italienische Heiterkeit unter Brandenburgischem Himmel. Die Häuser haben drei bis vier Geschosse und grüne Innenhöfe. Am Marktplatz ruht ein runder Mann unter schlanken Platanen, eine Frau schiebt ein Dreirad. Ab und zu fährt ein Auto vorbei. Unermüdlich knattert eine Elektrosense. Ein Gärtner stutzt am Hirtengraben - der grünen Verbindung zwischen Parforceheide und Nuthewiesen - das Gras zwischen den alten Bäumen.

Straßen und Plätze passen sich an: blitzsauber. Keine besprühten Hauswände, keine Schmierereien auf den vielen Sitzbänken. Einer weiß, woran es liegt: "Ich hörte von Jugendlichen, dass es unter Potsdams Sprayern ein Abkommen gibt, das Kirchsteigfeld sauber zu halten", erzählt Frank SchürerBehrmann, der hier Pastor ist. Warum? "Weil alles noch so neu und schön ist", sagt ein Jugendlicher, der vor dem ökumenischen Gemeindezentrum mit seinem Hund schmust.

Für den Vertriebsbeauftragten von Danziger & Weibezahl - der Makler verkauft die Wohnungen im Auftrag des Berliner Bauträgers Groth + Graalfs - liegt es am RundumPaket: "Hier wird unheimlich viel getan, für Jugendliche wie für ältere Menschen", sagt Andreas Butz. Kirche, Schulen, Kitas. Sportzentrum, Jugendclubs, Bibliothek. Viele Geschäfte und Ärzte. Kinder- und Mieterfeste. Wochen- und Weihnachtsmärkte - alles ist da, was zu einem Ort gehört und zwar für Menschen aller Alterstufen.

Im Südwesten des Kirchsteigfelds streicht der Wind über ein Feld von Sonnenblumen - die Ouvertüre für die "Sonnenhäuser an den Drewitzer Gärten". Der erste Bauabschnitt mit 170 Reihen- und Doppelhäusern ist vollendet und fast vollständig verkauft. Im zweiten Bauabschnitt entstehen gerade Reihenhäuser von 80 bis 140 Quadratmeter Wohnfläche sowie Doppelhäuser mit 135 Quadratmetern. Sie sind ohne Dachgeschoß oder mit Ausbaureserve unterm Dach zu haben und auch mit ausgebautem Dachgeschoß. Einige Haustypen haben eine Dachterasse. Die Gartenterrassen sind nach Süden und Südwesten ausgerichtet. Einzugstermin ist Herbst 2000 oder früher. Die Doppelhäuser sind schon jetzt bezugsfertig.

Dagegen ist man im Norden Potsdams vom Tag des Einzugs noch weit entfernt: In den Kirschgärten am Buga-Park, die zum Großprojekt Bornstedter Feld gehören, legten die Bauträger in dieser Woche den Grundstein. Jetzt wühlen sich Bagger durch die Brache. Das ehemalige Kasernengelände --hier exerzierten preußische Soldaten, später rollten sowjetische Panzer - liegt in der Nähe von Sanssouci zwischen Ruinenberg und Neuem Garten. In den Kirschgärten baut die Bavaria Objekt- und Baubetreuung GmbH nach dem "Puzzle-Prinzip" zwei- bis dreigeschossige Reihenhäuser mit verschiedenen Haustypen und variabler Grundrissgestaltung. Im ersten Schritt entscheiden die Bauherren über Größe und Gesamtfläche ihres Hauses, indem sie den Haustyp wählen: zwei oder dreigeschossig, mit Keller oder ohne.

Im zweiten Schritt puzzeln die Bauträger aus drei unterschiedlichen Grundrissen pro Stockwerk die Wunschhäuser zusammen. Alle Geschosstypen sind kombinierbar. Die kleineren zweigeschossigen Häuser haben 84 Quadratmeter Wohnfläche, die größte Variante hat ein drittes Geschoß und 150 Quadratmeter Wohnfläche. Neben den variablen Reihenhäusern entstehen drei- und viergeschossige Stadtvillen. Sie beherbergen Eigentumswohnungen von 41 bis 121 Quadratmetern Wohnfläche.

Weniger eine Adresse für Familien mit Kindern als für sehr gut situierte Paare und Singles ist das Glienicker Horn. Doch die Bebauung löste Kontroversen aus, weil sie sich nicht behutsam in das historische Ensemble einfügte. Peter Joseph Lenné legte im 19. Jahrhundert elf Parkanlagen so an, dass sie über Blickachsen miteinander verbunden sind. Die Augen schweifen dabei über eine flache Landzunge in der Havel - südlich der Glienicker Brücke. Dort befinden sich die Neubauten. Ein Frevel, meinen einige Kritiker, denn die Häuser seien Fremdkörper in Potsdams Kulturlandschaft. Genau diese Aussicht macht den Reiz der Neubauten aus. Wer hätte nicht gerne von der Terrasse oder vom Balkon aus einen unverbaubaren Blick auf Schloss und Park Babelsberg?

Auf der westlichen Seite des Geländes stehen heute die "Stadtpalais am Tiefen See". 160 Wohnungen gehobenen Standards zu Quadratmeterpreisen zwischen 5500 und 13 000 DM, verpackt in 20 eishelle Stadtvillenwürfel. Der erste Bauabschnitt ist komplett verkauft, aber der zweite bietet noch Leerräume in der Regel mit Blick auf den Tiefen See. Für Gerd Kohl, Verkaufsrepräsentant der "Bayerische Hausbau", ist das Plätschern ein wichtiges Verkaufsargument: "Die Lage ist ein Unikat. Hier wohnt man umgeben von Schlössern, Gärten und Seen einmalig für Berlin."

Gleich nebenan und ebenso weit oben in der Luxusklasse spielt "Arkadien". Gediegenes Terrakotta-Ambiente prägt die luxuriösen Villen von Groth + Graalfs. Sie entstanden im Park der Villa Kampffmeyer. Umschmeichelt von Lavendelduft, dazu ein zauberhafter Havelblick, hier es geht einem gut, es muss einem gut gehen, denn sonst kommt man gar nicht erst rein: 15 000 DM kostet der Quadratmeter in den Toplagen Arkadiens. Unter 5 800 DM pro Quadratmeter ist hier keine Wohnung zu haben.

43 unterschiedliche, aber durchgehend großzügig geschnittene Wohnungen verteilen sich auf acht Villen. Diese hören auf so klangvolle Namen wie Villa Bellezza oder Villa Clemenza. Mindestens so wichtig wie Komfort sind hier Sicherheit und Service. Der Doorman steht rund um die Uhr bereit. Besucher müssen sich anmelden, es gibt Video- und Sprechverbindung zwischen Wohnung und Eingangsbereich. Die ganze Anlage ist von einem elektronisch gesicherten Zaun umgeben.

Doch der Verkauf kommt nicht recht in Gang. Erst 13 Wohnungen fanden einen Besitzer. Am Bedarf vorbeigeplant? Vielen Interessenten ist der Weg nach Berlin letztlich doch zu weit, heißt es bei G+G. An den Erfolg des Konzeptes glaubt man dennoch. Auf den ursprünglich geplanten Bau von drei weiteren Villen verzichtete das Unternehmen aber. Diese Grundstücke, der Havel am nächsten gelegen, werden jetzt auf dem Immobilienmarkt angeboten, so Christian Neumann, Vertriebsleiter bei G+G. Hier kann bauen, wer repräsentative 400 bis 500 Quadratmeter Wohnfläche perfekt auf die eigenen Ansprüche zirkeln möchte. Dabei darf aber vom mediterranen Stil der Anlage nichts verloren gehen. Das behält sich G+G vor: "Ein Glas- und Stahlpalast wird hier nicht entstehen", so Christian Neumann.

Ungeklärt ist auch die Zukunft der Villa Kampffmeyer. Sie wurde 1923 gebaut und verfügt über eine Nutzfläche von 1430 Quadratmetern. Der Investoren hoffte auf eine Botschaft als Mieter. Bislang vergebens. Auch den Diplomaten ist Potsdam wohl etwas zu weit vom Schuß. Sie zieht es nach Mitte, in die Nähe des Außenministeriums.

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