Zeitung Heute : In Tegel wird weitergeholzt

Der Tagesspiegel

Reinickendorf. Der Streit zwischen dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung um die Baumfällungen in der Einflugschneise des Flughafens Tegel hat sich gestern verschärft. Weil die Arbeiten gestern wieder aufgenommen wurden, obwohl heute ein erneuter Ortstermin angesetzt ist, kündigte der BUND erneut gerichtliche Schritte an.

Gestern früh hatten Arbeiter des Forstamtes damit begonnen, Laubbäume zu beschneiden. Spätestens heute soll auch wieder der so genannte Prozessor einer Privatfirma zum Einsatz kommen, eine Maschine mit der eine Privatfirma bis zu 10 000 Kiefern fällen soll. Für BUND-Geschäftsführer Stefan Bundscherer „ein schlechter Stil“, da man noch im Gespräch über Ersatzmaßnahmen sei. „Ich sehe eine Lösung erst, wenn der Senat einem ökologischen Ausgleichskonzept zustimmt.“

Bei der Senatsverwaltung geht man von einer „Verkehrssicherungsmaßnahme“ aus, wie sie auch an Straßen, Gewässern und Bahntrassen ausgeführt würden, so der Referatsleiter Naturschutz, Christian Muhs. Deshalb sei kein Ausgleich erforderlich, zumal die Flächen Waldgebiet bleiben. „Wir machen etwas Besseres vor Ort, was Vorteile für Biotop und Artenschutz bedeutet“.

Die Idee der Naturschützer, das geschlagene Holz am Ort zu belassen um eine völlige Eigenentwicklung des Areals zu ermöglichen, wird von der Behörde abgelehnt. Muhs verweist auf die erhebliche Brandgefahr, wenn riesige Mengen von Totholz auf fast schattenloser Fläche liegen. Förster warnten ferner vor einem drohenden Borkenkäferbefall. Wie berichtet, will die beauftragte Firma außerdem den Erlös aus der Holzverwertung mit den Fällarbeiten verrechnen.

Wegen der einsetzenden Vegetations- und Brutperiode will Muhs die Arbeiten nicht erneut unterbrechen. „Wir haben schon zwei Wochen verloren. Jeder Tag zählt, mir wäre lieber, wir hätten die Kiefern bis Ostern gefällt.“ Rainer W. During

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