Zeitung Heute : In Teilen elementar

Der Iran hat erklärt, er könne Kernbrennstoff im industriellen Umfang herstellen. Wie wahrscheinlich ist das?

Ruth Ciesinger

Während Mahmud Ahmadinedschad vergangene Woche den Briten ihre Soldaten als „Ostergeschenk“ zurückgab, hatte der Präsident am Montag, pünktlich zu Irans „Feiertag der Nukleartechnologie“ ein Präsent für das eigene Volk parat: Man könne jetzt, so die etwas vage Formulierung, Uran im industriellen Maßstab anreichern. Sinngemäß würde das bedeuten, dass der Iran ausreichend Material gewinnen kann, um erfolgreich Brennstäbe für ein Atomkraftwerk herzustellen. Technisch wird das so übersetzt, Teheran könnte jetzt geglückt sein, was es seit Monaten ankündigt, und was die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in ihrem Bericht vom Februar noch einmal aufgegriffen hatte: In der Uranaufbereitungsanlage von Natans sollen insgesamt 3000 Zentrifugen in Betrieb genommen werden. Genau daran haben allerdings Diplomaten sowie unabhängige Beobachter ihre Zweifel.

Bisher war nur bekannt, dass der Iran in Natans vier Kaskaden mit jeweils 164 Zentrifugen installiert hat. Die IAEO hatte im Februar berichtet, zwei dieser Kaskaden liefen unter Versuchsbedingungen. Vorstellbar sei, dass trotz Schwierigkeiten bei deren Produktion inzwischen 1000 Zentrifugen in Natans installiert seien, heißt es. Das bedeutet aber nicht, dass diese reibungslos laufen – der Prozess der Anreicherung ist hoch kompliziert.

Das zuvor gasförmig gemachte Uran wird in den Zentrifugen in Überschallgeschwindigkeit in Rotation versetzt. Dabei werden schwere Atomisotope nach außen gedrückt, die leichteren sammeln sich im Zentrum der Zentrifuge. Dieses Gas wird dann durch weitere Zentrifugen geleitet und in Kaskaden immer stärker angereichert. Eine solche Zentrifuge rotiert etwa 10 000 Mal in der Minute. Die Möglichkeit, dass dabei technisch etwas schiefläuft, ist immens. Zumal das Urangas, mit dem im Iran die Zentrifugen befüllt werden, „unrein“ ist – was die Geräte schon mehrmals lahm gelegt haben soll. Deshalb, und weil es im Iran offenbar gar nicht genügend – oder nur mangelhafte – Bauteile für die Zentrifugen gibt, werden die Angaben über den großen Schritt vorwärts im Atomprogramm kritisch gesehen. Gewissheit erhofft man sich daher vom nächsten Bericht der IAEO-Inspekteure. Wenn dagegen der Chef von Irans Atomenergiebehörde, Gholam-Resa Aghasadeh, nun davon spricht, man wolle in Natans bis zu 50 000 Zentrifugen installieren, kann diese Ankündigung nur als Wunsch für die fernere Zukunft verstanden werden, und nicht als ein Schritt, der in nächster Zeit bevorsteht.

Selbst wenn es so wäre, dass in Natans bereits mehr Uran angereichert wird als bisher angenommen – die Bombe hat Teheran deshalb noch nicht. Auch wenn es dem Land gelänge, mit 3000 Zentrifugen kontinuierlich Uran anzureichern, würde es nach Einschätzung von Experten etwa ein knappes Jahr dauern, bis es genügend hochangereichertes Material für eine Waffe beisammen hätte. Das wiederum würde auch bedeuten, dass alles angereicherte Uran für ein Waffenprogramm verwendet werden müsste – und nicht zur Herstellung von Brennstäben für die vom Iran geplanten Kernkraftwerke.

Zudem müsste der Iran die Kontrollen durch die IAEO weiter unterbinden. Die Behörde, deren Inspekteure gerade wieder im Iran sind, überprüfen auch den Grad der Urananreicherung. Zu zivilen Zwecken reicht ein Anreicherungsgrad von unter fünf Prozent. Um waffenfähiges Material zu erhalten, ist ein Anreicherungsgrad von mehr als 90 Prozent notwendig. Und bisher, so sagt es die Atomenergiebehörde in Wien, reicht das Uran im Iran nur als Brennstoff für Kernkraftwerke.

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