Zeitung Heute : In Tunis trägt man das so

Esther Kogelboom über die Angst eines Fotografen

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Angemessene und auch unangemessene Kleidung – ein weites Feld. Dieser tunesische Kollege zum Beispiel zeichnet sich ehrlich gesagt durch besonders unangemessene Kleidung aus: Er trägt eine Art Kutte, einen seltsamen Hut – und weiß Gott, er sieht so aus, als habe er dies und das in die Wege geleitet, um eine Akkreditierung für die WM zu bekommen.

Zu seiner Verteidigung sei gesagt: Die Fotografen, die am Spielfeldrand stehen müssen, haben es wirklich nicht leicht. Vor dem Anpfiff werden sie wie Rinder an einer Kordel an der Ersatzbank vorbeigeführt, damit sie von einem kleinen Podest aus ihre Mannschaftsbilder machen können. Nach dem Anpfiff stehen / sitzen sie mit ihren Kameras in unmittelbarer Nähe zum Geschehen. Da kann es leicht passieren, dass der Ball in das wertvolle technische Gerät fliegt wie der kleinere Lederball auf dem Jahrmarkt in die Dosenpyramide. Zudem kämpfen sie ununterbrochen um das beste Bild, müssen stets hellwach das Spielgeschehen überblicken – aus einer denkbar ungünstigen Perspektive – und die Bilder sofort verschicken, sonst ist der Kollege nebenan schneller.

Doch die Angst vor dem Jahrmarktbuden-Effekt und der enorme Druck, lieber tunesischer Freund, rechtfertigen diesen unprofessionellen Aufzug bedauerlicherweise nicht.

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