Zeitung Heute : In Turbulenzen

Rainer W. During

Eine iranische Hercules-Maschine ist in Teheran auf ein zehnstöckiges Wohnhaus gestürzt. Ist das amerikanische Embargo für Flugzeugersatzteile mitverantwortlich für diese Katastrophe?


Mit dem Zustand der zivilen ebenso wie der militärischen Luftflotte ist es nach vorliegenden Analysen und Berichten nicht zum Besten bestellt. Erst im November hatte ein Sprecher der Fluggesellschaft Iran Air gegenüber Medienvertretern einräumen müssen, dass fünf der 16 Airbusse des Unternehmens wegen des US-Lieferembargos nicht einsatzfähig sind. Die Triebwerke stammen aus den Vereinigten Staaten.

Einst als enger Verbündeter der USA war Iran bis Ende der 70er Jahre mit modernstem westlichen Fluggerät versorgt worden. Die Iran Air erhielt Boeing- 747-Großraumjets, die iranische Luftwaffe neben den neuesten F-14-Tomcat- Kampfjets auch C-130-Hercules-Transporter und Jumbojets, die als fliegende Tankstellen einsetzbar waren. Das änderte sich schlagartig im Jahr 1979 mit der Vertreibung des Schahs im Rahmen der islamischen Revolution und der mehr als einjährigen Geiselnahme von Angehörigen der US-Botschaft.

Das von den Vereinigten Staaten verhängte Embargo verhinderte die ordnungsgemäße Wartung und Instandhaltung der Maschinen. Iran setzte verstärkt auf Flugtechnik aus der ehemaligen Sowjetunion und begann mit dem Aufbau einer eigenen Luftfahrtindustrie, die offenbar in der Lage ist, einen Teil des benötigten Materials selbst zu fertigen. Im jüngsten Poker um das mutmaßliche iranische Atomrüstungsprogramm hat US-Präsident Bush Iran nun erstmals die Lieferung von Ersatzteilen für Zivilflugzeuge angeboten – doch die Verhandlungen sind festgefahren.

Bisher ist allerdings kein Fall bekannt, in dem eine iranische Zivilmaschine bei den auf europäischen Flughäfen üblichen Sicherheitschecks aus dem Verkehr gezogen werden musste. Rund ein Dutzend schwerer Flugzeugunglücke in Iran seit 1980 ereigneten sich meist auf Inlandsrouten und oft bei schlechtem Wetter. Kurz vor Ende des Iran-Irak-Krieges wurde 1988 ein Airbus der Iran Air mit 290 Passagieren irrtümlich von einem US-Kriegsschiff abgeschossen. Die militärischen C-130-Transporter wären von der Aufhebung des US-Embargos sowieso nicht betroffen. Für den weltweit verbreiteten Typ sind viele Teile auf dem Schwarzmarkt verfügbar. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Teil der eigenen Maschinen auszuschlachten. 1997 stürzte schon einmal eine iranische C-130 nach Triebwerksschaden ab.

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